Dahlemer Wetterverein: Dieser Sommer ist der nasseste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1908

Eine ungewollte Seenlandschaft in Oliver Lehmanns Kleingarten in Charlottenburg. Immerhin konnte er seine Schuhe noch rechtzeitig vor den Wassermassen retten. (Foto: Oliver Lehmann)

Dahlem. Der Verein Berliner Wetterkarte an der Freien Universität (FU) Berlin meldet einen Rekord. Der Sommer 2017 hat bereits jetzt den Titel als nassester Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Dahlem 1908. „Selbst eine lange Trockenperiode im August kann daran nichts mehr ändern“, erklärt Meteorologin und Vereinsvorsitzende Petra Gebauer.

Die Tiefdruckgebiete „Rasmund“, „Zlatan“ und „Alfred“ haben im Juni und Juli dafür gesorgt, dass in Dahlem 373,5 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen werden konnten. Damit gab es in den beiden Monaten mehr Niederschlag als im gesamten Sommer 2007, der bisher als nassester galt.

Der neue Rekord wurde erreicht, obwohl es im genannten Zeitraum nur an etwas mehr als der Hälfte der Tage in nennenswertem Umfang geregnet hat. „Umso intensiver waren allerdings zwei kurze und heftige Schauerketten und eine Dauerregenperiode“, erläutert Gebauer.

Allein Ende Juni fielen in Dahlem in 24 Stunden 93 Liter Wasser vom Himmel, was dem dritthöchsten Tageswert in zehn Jahren in einem Juni entspricht. Im Norden Berlins waren es sogar 220 Liter.

Noch eine beeindruckende Zahl: Am 22. Juli gab es über dem Flughafen Tegel ungewöhnlich heftige Gewitterschauer mit 42 Litern pro Stunde und Quadratmeter.

Der viele Regen hatte zwar den positiven Effekt, dass die Grünflächen noch nicht gelb und verdorrt aussehen, brachte aber erheblichen Schaden mit sich. Einer der Leidtragenden ist Oliver Lehmann, Laubenbesitzer in einer Charlottenburger Kleingartenkolonie. Zu dieser Laube gehört eine amtliche Klimastation, die Lehman seit 17 Jahren betreibt. Die Wetterdaten liefert er nach Dahlem.

„Ende Juni fielen in 48 Stunden 148 Millimeter Niederschlag in unserer Kolonie, ein Viertel davon war total abgesoffen“, berichtet Lehmann. Sein Grundstück ist zu allem Überfluss noch das am tiefsten gelegene. Das Wasser stand bis zu 40 Zentimeter hoch. „Ich musste eine Pumpe kaufen. Es dauerte eine Woche, bis die Laube und die Klimastation wieder trocken gelegt waren.“ Schaden gab es auch an der Einrichtung, der Kühlschrank war kaputt, die gesamte Elektrik funktionierte nicht mehr. Zwar stand das Grundstück vor einigen Jahren schon mal unter Wasser, „aber so schlimm war es noch nie, ein Jahrhundertereignis“, sagt Lehmann.

Eine Entwarnung für die Hauptstadtregion kann Petra Gebauer aktuell nicht geben. Die derzeitige Wetterlage mit einer Abfolge von Tiefdruckgebieten sei noch nicht überwunden.

„Eine niederschlagsreiche Woche wie Anfang Juli kann zu 65 Prozent sieben weitere Regenwochen nach sich ziehen.“ Das passe zur Bauernregel „Wie die sieben Brüder das Wetter gestalten, so soll es noch sieben Wochen lang halten.“ Der Siebenbrüder-Tag ist der 10. Juli.

Gebauer rechnet damit, dass sich bis Mitte August Regen und Sonne abwechseln, erst danach sei mit stabilem Hochdruckwetter zu rechnen.uma

Mehr Informationen gibt es im Internet auf https://berliner-wetterkarte.de/
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