Firma holt Altpapier schon seit Wochen nicht mehr ab

Die Blaue Tonne, wie hier in der Robert-Kochstraße, wird nicht mehr abgeholt. (Foto: hari)

Kaulsdorf. Es klang so verlockend einfach, praktisch und billig: Die Firma Recycling Team Berlin (RTB) stellte ab 2012 Eigenheimbesitzern eine blaue Tonne hin und holte kostenlos das Altpapier ab. Mit diesem Versprechen köderte die Firma Tausende Eigenheimbesitzer in den Siedlungsgebieten.

In ganz Berlin sollen es laut der Internetseite der RTB rund 16 000 Kunden sein. Aus dem Versprechen ist inzwischen ein Albtraum geworden: Die Firma holt die Tonnen seit Herbst vergangenen Jahres nicht mehr kostenlos ab. Seither verlangte sie von den Kunden ein jährliches Entgelt von rund 24 Euro für die Abholung. Das Geld war im Voraus zu bezahlen.

Im Februar und März stellten die RTB-Kunden fest, dass die Tonnen einfach nicht mehr abgeholt wurden. Die Kunden blieben auf ihrem Altpapier, der Vorauszahlung und der bei Vertragsschluss gezahlten Kaution in Höhe von 50 Euro pro blauer Tonne sitzen.

Werner Lange zog schon bei dem Vorschlag, den Vertrag zu ändern und eine Vorauszahlung zu leisten, die Bremse. Er unterzeichnete die Vertragsveränderung nicht und ließ die Tonne im Herbst von seinem Grundstück in der Robert-Koch-Straße von der Firma wieder abholen.

Allerdings hat er die Kaution von 50 Euro für die Tonne trotz mehrfacher Mahnungen von der RTB nicht zurückbekommen. "Ich bringe mein Altpapier wieder selbst mit dem Auto weg", sagt er. Seine Nachbarin Gertraude Schönherr hat den neuen Vertrag unterzeichnet. Die Rentnerin hat keine eigenen Möglichkeiten, dass Altpapier selbst wegzubringen.

In ihrer blauen Tonne am Haus stapelt sich das Altpapier. Nachbar Lange hilft ihr zunächst aus und nimmt auch ihr Altpapier mit. "Aber auf Dauer werde ich mir eine andere Firma suchen müssen", sagt sie. Empörend findet sie das Verhalten der Firma, einfach nichts von sich hören zu lassen.

Inzwischen kümmern sich auch Bezirkspolitiker um das Entsorgungsproblem. Der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier schrieb an die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz. Staatssekretärin Sabine Toepfer-Kataw (CDU) teilte ihm schriftlich mit, dass sie keinen "Müllnotstand" erkennen könne, da es in Berlin acht Firmen gebe, die gesammeltes Papier von zu Hause abholen.

Beim Geldverlust stehe den Betroffenen der Klageweg offen. Jeder sollte sich aber überlegen, ob er angesichts der vergleichsweise geringen Summe einen Anwalt einschaltet.


Harald Ritter / hari
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