Die Schnapsherstellung hat in Kaulsdorf eine lange Tradition

Die Produktion von Spirituosen hat am Standort der Firma Schilkin im ehemaligen Gut Kaulsdorf eine lange Tradition. (Foto: hari)
Berlin: SCHILKIN GmbH & Co. KG BERLIN |

Kaulsdorf. Das Gut Kaulsdorf ist heute untrennbar mit dem Spirituosenhersteller Schilkin verbunden. Dabei wird oft übersehen, dass die Tradition der Herstellung von „geistigen“ Getränken an dem Standort viel älter ist.

Der erste, der hier Alkohol herstellte, war Georg Conrad Bergius. Er erhielt die Genehmigung hierfür von Kurfürst Friedrich Wilhelm, ausgestellt am 3. Januar 1683. Das ist 330 Jahre her.

Der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf nahm das Jubiläum zum Anlass, das Datum auf die Liste der denkwürdigen Jahrestage in 2016 zu setzen. In dem über die Jahrhunderte mehrfach überbauten Gut sind viele historische Spuren kaum noch zu erkennen.

Das Gut in Kaulsdorf lag zur Mitte des 17. Jahrhunderts wirtschaftlich danieder. Das Dorf war während des 30-Jährigen Krieges zerstört und vollständig entvölkert worden. Georg Conrad Bergius (1623-1691) kaufte es im Jahr 1670 gegen den Widerstand der Hofräte des Kurfürsten. "Sie wollten das Gut nicht im Besitz eines Mannes des Standes von Bergius sehen“, sagt die Historikern Christa Hübner.

Bergius war Sohn eines Hofpredigers und wurde nach dem Studium der Theologie, nach Promotion und einer Professur in Frankfurt/Oder 1664 Hofprediger in Berlin.

Nach dem Kauf des heruntergekommenen Kaulsdorfer Gutes begann er, es schrittweise instand zu setzen. Er ließ ein repräsentatives Herrenhaus bauen, das bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts den Gutshof beherrschte. Hierin lebte und arbeitete auch 1782-85 Franz Carl Achard, der in Kaulsdorf den Grundstein für die Gewinnung des Rübenzuckers legte.

Bergius legte in Kaulsdorf einen Weinberg an und begann nach Ausfertigung des Privilegs mit der Branntweinherstellung. Das Privileg berechtigte ihn außerdem, das hochprozentige alkoholische Getränk in Kaulsdorf und anderswo ausschenken zu lassen.

Zusammen mit anderen Privilegien ging das Branntweinprivileg an die Erben von Bergius und andere spätere Besitzer des nunmehrigen Freigutes über. Einer dieser, der Kaufmann Friedrich Geest aus Berlin, bekam zudem 1812 die Genehmigung zur Eröffnung einer Schankwirtschaft. Die Branntweinbrennerei wurde auf dem Gut bis 1838 betrieben.

Das heute noch stehende Herrenhaus auf dem Gelände der Firma Schilkin wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts errichtet. Das aus Russland emigrierte Ehepaar Apollon und Natalie Schilkin richtete auf dem Gutsgelände 1932 erneut eine Spirituosenherstellung ein. 1945 übernahm deren Sohn Sergei den gegen Ende des Zweiten Weltkrieges fast vollständig zerstören Betrieb und baute eines der bedeutendsten mittelständischen Unternehmen im Bezirk auf. „Wir sind sehr stolz auf unsere Familientradition, uns aber auch des Traditionsreichtums dieses Standortes im Gut Kaulsdorf sehr bewusst“, sagt Peter Mier, Schwiegersohn von Sergei Schilkin. hari
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