Anwohner beklagen Lärm und Verkehrschaos

Zugeparkte Straßen und entspannte Markthallen-Besucher auf dem Gehweg. Beides ist manchen Anwohnern ein Dorn im Auge. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Der Kiez zwischen Görlitzer Bahnhof und Wrangelstraße gilt inzwischen als beliebte Ausgehmeile. Gehörigen Anteil daran hat die Markthalle Neun, die unter ihren neuen Betreibern aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist und viele Kunden anzieht.

Aber wie so oft beißt sich auch hier die Aufwertung eines Gebiets mit dem Ruhebedürfnis vieler Anwohner. Vor allem die Nachbarn in der Pücklerstraße machen schon länger gegen Lärm und Verkehrschaos mobil. Zuletzt bei einer Bürgerversammlung im Juni. In teilweise nicht enden wollenden Statements beklagten sie feierwütige Touristen in und vor den Kneipen, Autos und Busse, die mit laufendem Motor auf der Straße stehen, Massenveranstaltungen in der Markthalle, wie beispielsweise jeden Donnerstagabend beim Street Food Thursday. Auch die Anlieferung für das Gebäude am Morgen verursache Krach, zudem würden die Laster in zweiter Reihe auf der Fahrbahn parken. Und um ihren Schlaf gebracht fühlen sich die Bewohner auch durch Müllabfuhr und BSR, die sich erdreisten, bereits um 6 Uhr früh ihrer Arbeit nachzugehen.Also ein buntes Sammelsurium von teilweise vielleicht berechtigten Ärgernissen und andererseits dem Aufspüren jeder auch nur temporären Geräuschkulisse. Immerhin soll der Krach durch den Lieferverkehr jetzt dadurch vermindert werden, dass das Kopfsteinpflaster an den Eingängen des Gebäudes verschwindet. Stattdessen werden die Zugänge asphaltiert. Im Gespräch ist außerdem, den Zugangsbereich entsprechend zu markieren, um damit klar zu machen, dass Autos hier nichts zu suchen haben. Auf der Fahrbahn entlang der Fläche sollte eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 20 gelten und weitere Hindernisse für den Durchgangsverkehr könnte es in Form von Baumscheiben geben, die am Eingang der Pückler- und Eisenbahnstraße angebracht werden sollen.

Anregungen, die bei Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Grüne) auf offene Ohren stießen. Er machte allerdings klar, dass sie höchsten nach und nach umgesetzt werden können.

Bei nächtlichem Lärm vor den Kneipen empfahl Wirtschafts- und Ordnungsstadtrat Dr. Peter Beckers (SPD) umgehend die Polizei zu informieren. "Wir können tätig werden, wenn wiederholt Anzeigen gegen einen Betrieb eingegangen sind." Allerdings räumte er ein, dass die Beweislage häufig nicht einfach ist. Denn die Ruhestörer müssen eindeutig identifiziert werden. Beckers machte außerdem klar, dass das Ordnungsamt zwar ab und an eine Schwerpunktkontrolle im Kiez durchführen kann, eine regelmäßig Präsenz vor Ort aber schon wegen Personalmangel nicht möglich sei. Und nach 22 Uhr fallen Beschwerden ohnehin in die Verantwortung der Polizei.

Mehr als auf Sanktionen hofft der Stadtrat auf die Einsicht der Lokalbetreiber. "Wir werden auf diese Weise zwar nicht alle ins Boot holen und schwarze Schafe wird es immer geben. Aber viele Wirte müssten schon aus eigenem Interesse an einvernehmlichen Lösungen interessiert sein."

Nicht bei allen Besuchern der jüngsten Bürgerversammlung stießen die Lärmbeschwerden der Anwohner auf durchgehendes Verständnis. Einige unterstellten ihnen, dass sie "ein Luxusproblem" haben. In anderen Gebieten in Kreuzberg sei es wesentlich lauter.


Thomas Frey / tf
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