Bilder vom Kreuzberger Maler Willi Mühlenhaupt zu sehen

Kreuzberg. Kurt Mühlenhaupt (1921-2006) gilt als einer der bekanntesten Kreuzberger Maler. Weniger bekannt ist, dass er nicht als einziger in seiner Familie mit Pinsel und Farbe hantierte.

Denn es gab auch noch seinen Bruder Willi Mühlenhaupt (1907-1977). Dessen Bilder und Objekte werden von 6. September bis 12. Oktober in einer Ausstellung in der Browse Gallery in der Marheineke-Markthalle gezeigt. Willi Mühlenhaupt führte ein bewegtes Leben. Im Oderbruch geboren besuchte er jeweils vier Mal die erste und die zweite Klasse und konnte bei seinem Abgang aus der Schule gerade mal seinen Namen schreiben. In Baruth fand er eine Lehrstelle in einer Glashütte. Danach ging Willi Mühlenhaupt auf Wanderschaft und landete irgendwann als Straßenfeger in Berlin. Weitere berufliche Stationen waren Pferdepfleger und Straßenbahnschaffner. Weil er mit der Rechenmaschine nicht klarkam, folgte eine Anstellung als städtischer Kammerjäger.

Von schwerem Asthma geplagt schmiss er nach dem Tod seiner Frau diese Arbeit hin und lebte ein Zeit lang unter den Brücken von Kreuzberg. Dort fand ihn 1960 Kurt Mühelnhaupt. Er sorgte dafür, dass der Bruder eine Rente bekam, und animierte Willi zum Malen.

Der Ältere schien daran schnell Spaß gefunden zu haben. Nicht nur auf Papier, sondern auch auf Teller, Weinflaschen, Sauerkrautfässer und Klosettdeckel setzte er seine Kunstwerke. Eine besondere Vorliebe waren bewegliche Bilder. Was "Onkel Willi" den Ruf eines Hampelmannbauers einbrachte.

Ein Portrait aus dieser Serie sorgte in den 60er Jahren für einen Skandal. Bei einer Ausstellung im Rathaus Kreuzberg zeigte er einen Priester. Das Portrait war mit einer Schnur versehen. Zog man daran, zeigte sich das beste Stück des geistlichen Herrn.

Ein Großteil seiner Arbeiten verschenkte "Onkel Willi", vor allem an Kinder aus dem Chamissokiez. Aber auch Erwachsene wurden bedacht, wenn sie ihn darum baten. Und manche nutzten das aus.

Für die Ausstellung in der Markthalle kamen zwar viele Bilder aus Privatsammlungen zusammen. Es ist aber davon auszugehen, dass sich noch weitere irgendwo befinden. Deren Besitzer werden gebeten, sich bei der Community Impulse Initiative zu melden. 69 81 48 91, E-Mail: info@community-impulse.de.

Die Ausstellung wird am 6. September um 17 Uhr eröffnet. Zu sehen ist sie danach Montag bis Freitag von 8 bis 20, Sonnabend, 8 bis 18 Uhr.

Thomas Frey / tf
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