Das Jahr 2012 in Kreuzberg

Ziel eines Protestmarsches von Flüchtlingen: Der Oranienplatz. (Foto: Frey)
 
Marlit Friedland (links) Chefin des Berliner Gruselkabinetts in der Schöneberger Straße sucht einen neuen Erschrecker. (Foto: Frey)
 
Die Mauer als öffentliches Ärgernis. Der Peace Wall an der Friedrichstraße. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Es sind nur noch wenige Tage bis zum Jahreswechsel. Zeit also, zurückzuschauen auf die wichtigsten, interessantesten und ärgerlichsten Begebenheiten der vergangenen zwölf Monate in Kreuzberg.

Januar: Mehr als ein Fünftel der Bewohner von Friedrichshain-Kreuzberg sind arm. Das sagt der neue Sozialbericht Berlin-Brandenburg. Auf den Straßen im Bezirk gibt es geschätzt 7000 Schlaglöcher. Sie auszubessern würde rund zwölf Millionen Euro kosten. Zur Verfügung stehen pro Jahr aber nur etwa zwei Millionen. Februar: Stress um das BMW-Guggenheim-Lab. Die Veranstaltung zur Zukunft der Großstädte sollte eigentlich auf einer Brachfläche an der Cuvrystraße stattfinden. Dagegen gab es Drohungen aus der linksautonomen Szene. Das Guggenheim-Lab wurde deshalb auf das Gelände des Pfefferbergs in Prenzlauer Berg verlegt.

März: Mit Beginn des Frühlings wurden die Parks und Grünanlagen wieder von vielen Menschen bevölkert. Vor allem nach den Wochenenden bleiben dann Müllberge zurück. Um ihnen Herr zu werden reinigt der Bezirk an manchen Orten im Volkspark Friedrichshain und im Görlitzer Park inzwischen drei Mal pro Woche.

April: Zwischen 27. April und 8. Juni ist die U-Bahnlinie 1 zwischen Möckernbrücke und Uhlandstraße erneut unterbrochen. Der Grund sind weitere Arbeiten am Gleisdreieck. Unter anderem werden dort zwei Pendelportale im Bereich der Hochbahn ausgetauscht und die Bahnsteige barrierefrei eingerichtet.

Mai: Relativ ruhig verlief der 1. Mai. Das heißt in diesem Fall "nur" 100 Festnahmen und 123 verletzte Polizisten. Zentrum der Krawalle war dieses Mal der Bereich Linden- und Alexandrinenstraße wo es im Verlauf der sogenannten Revolutionären 1. Mai-Demonstration zu Ausschreitungen kam.

Am Pfingstwochenende richteten Aktivisten des Vereins Kotti & Co ihr Protestcamp an der Südseite des Kottbusser Tors ein. Seither demonstrieren sie dort gegen steigende Mieten und Verdrängung.

Am 4. Mai wird das sanierte Haus des Sports in der Gitschiner Straße wieder eröffnet. Der Umbau kostete 800 000 Euro. Nutzer des Gebäudes sind mehrere Vereine.

Juni: Ärger um eine Mauer. Anlässlich der Berlin-Biennale wurde auf der Friedrichstraße die Installation "Peace Wall" aufgestellt. Ihre Schöpferin Nadja Prija wollte damit auf die sozialen Grenzen zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden der Magistrale hinweisen. Anwohner und Geschäftsleute fühlen sich durch das Kunstwerk diskriminiert und klagen über weniger Kundschaft wegen der Barriere auf der Straße. Sie erreichen, dass die Mauer statt wie ursprünglich geplant am 1. Juli, bereits am 15. Juni wieder abgebaut wird.

Dr. Jan Stöß wird neuer Landesvorsitzender der Berlin SPD. Er war zuvor Kreisvorsitzender seiner Partei in Friedrichshain-Kreuzberg und bis November 2012 Stadtrat für Finanzen, Kultur und Sport im Bezirk.

Juli: Der insolvente Fußball-Traditionsverein Türkiyemspor versucht einen Neuanfang. Vorstand und Aufsichtsrat wurden neu gebildet, mit Spenden und Benefizaktion versucht der Club die Schuldenlast von rund 600 000 Euro abzubauen. Die neuformierte 1. Mannschaft des Vereins spielt jetzt in der Berlin-Liga.

Zwischen 2013 und 2016 sollen in der Verwaltung von Friedrichshain-Kreuzberg weitere 138 Vollzeitstellen abgebaut werden. Hintergrund ist die Vorgabe des Senats, nach der in den Bezirksverwaltungen insgesamt nicht mehr als 20 000 Menschen arbeiten sollen.

Die Stiftung Topographie des Terrors feiert am 4. Juli ihr 25-jähriges Bestehen.

August: Am 8. August beginnen die Bauarbeiten an der Oberbaumbrücke. Die Wasserbetriebe lassen dort einen Dämmbalkenschacht in den Regenrücklaufkanal einbauen. Damit soll in Zukunft mehr Abwasser zwischengespeichert werden und nicht mehr unkontrolliert in die Spree fließen. Seither ist die Oberbaumbrücke von der Friedrichshainer Seite aus für Autos gesperrt. Ende der Arbeiten: Spätestens im Mai 2013.

Anlässlich des 50. Todestags des Maueropfers Peter Fechter wird von verschiedenen Seiten gefordert, die Zimmerstraße in Peter-Fechter-Straße umzubenennen. Auch in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg stößt ein entsprechender Antrag der CDU-Fraktion grundsätzlich auf Zustimmung.

Am 24. August wird in der ehemaligen Zelter-Oberschule in der Wilhelmstraße eine neue Kita eröffnet. Sie hat 100 Plätze. Der Umbau kostete etwa 2,5 Millionen Euro.

September: Proteste und Unterschriftensammlungen gegen das mögliche Aus des Prinzessinengartens am Moritzplatz. Mit Erfolg, denn selbst Berlins Finanzsenator Ulrich Nussbaum spricht sich für den Erhalt des innerstädtischen Biotops aus. Kurz vor Weihnachten beschließt der Aufsichtsrat des Liegenschaftsfonds, das Grundstück an den Bezirk zurückzugeben.

Oktober: Die Autobahn A100 darf unter Auflagen bis zur Elsenbrücke weitergebaut werden. Das entschied das Bundesverwaltungsgericht. Dagegen geklagt hatte auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Dessen Einwände ließen die Richter aber nicht zu. Denn der Bezirk sei Teil der Einheitsgemeinde Berlin gegen die sich das Verfahren richtete.

Flüchtlinge demonstrieren mit einem Marsch quer durch Deutschland und beziehen eine Zeltstadt auf dem Oranienplatz. Die Teilnehmer protestieren gegen das Asylrecht. Sie fordern unter anderem den Wegfall der Residenzpflicht und die Möglichkeit eine Arbeit anzunehmen.

150 Menschen verhindern am 22. Oktober mit einer Blockade, dass die Gerichtsvollzieherin eine Zwangsräumung im Haus Lausitzer Straße 8 vollstrecken kann.

Antje Kapek wird zur Co-Vorsitzenden der Fraktion von Bündnis90/Grüne im Abgeordnetenhaus gewählt. Bis 2011 führte sie Grünen-Fraktion in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg.

November: Das Jüdische Museum eröffnet am 17. November seine neue Akademie in der ehemaligen Blumengroßmarkthalle an der Lindenstraße.

Der Verein Historischer Hafen erhielt zusammen mit dem Immobilienentwickler Agromex den Zuschlag für die Neugestaltung des ehemaligen Grenzstegs im Osthafen. Geplant ist dort eine Anlagestelle für Ausflugsschiffe und die Traditionsflotte des Vereins. Außerdem ein Ausstellungsgebäude.

Die Brommybrücke soll als Fußgänger und Radfahrerverbindung wieder aufgebaut werden.

Dezember: Im bisherigen Seniorenwohnheim in der Stallschreiberstraße 12 eröffnet eine Unterkunft für Asylbewerber.

Am 8. Dezember wird die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule besetzt. Über den Winter sollen dort die Flüchtlinge vom Oranienplatz einziehen. Deshalb duldet der Bezirk die Besetzung bis Ende März.


Thomas Frey / tf
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