Investoren kaufen Dragonerhöfe

Aufstocken oder nur behutsam erneuern? Die Stallanlagen beherbergen etliche Werkstätten und sind nun Gegenstand eines politischen Streits. (Foto: Schubert)

Kreuzberg. Hinter der Gebäudezeile des Finanzamts sollen denkmalgeschützte Pferdeställe und moderne Bauten ein neues Quartier ergeben. Das Areal ist bereits veräußert. Eine Mischung aus Gewerbe und Wohnen steht in Aussicht, doch der Bürgermeister gibt sich unzufrieden.

Stockwerke aufsetzen oder Historisches bewahren? Es ist ein Streit darüber entflammt, was geschehen soll auf dem Grundstück zwischen Mehringdamm und Obentrautstraße, rückseits des burgähnlichen Finanzamts. Hier macht sich derzeit in den Gebäuden einer alten Reiterkaserne ein Vielzahl von kleinen Betrieben und Werkstätten breit. Wenn es nach den Plänen der Projektentwicklungsgesellschaft ABR German Real Estate geht, werden die meisten dieser Gewerbemieter wohl verschwinden.22 Millionen Euro zahlte das Hamburger Unternehmen für die so genannten Dragonerhöfe - ein Geschäft bei dem die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben den Zuschlag erteilte. Was die German Real Estate für das 48 000 Quadratmeter große Areal plant, ist ein Quartier, das die Kasernengebäude zwar weitgehend erhält, aber mit etlichen Neu- und Aufbauten verdichtet.

Zu dicht, befindet der scheidende Bezirksbürgermeister Franz Schulz (B 90/Grüne). Vor allem die Idee, auf die Backstein-Pferdeställe neue Geschosse aufzusetzen hält er für "unsensibel." Fünf bis sechs Stockwerke, wie sie die ersten Pläne vorsehen, seien nicht akzeptabel. Gefragt seien auf diesem Grundstück statt wuchtiger Veränderungen behutsame Umbauarbeiten mit Rücksicht auf Denkmalschutz und bezahlbaren Wohnraum.

Welcher Kompromiss sich auch ergeben wird, dass eine verträgliche Mixtur aus Gewerbe, Büros und Wohnen zu erwarten ist, stellt Investor Klaus Roelcke schon jetzt in Aussicht: "Wir planen eine gute Mischung nach Kreuzberger Art. Die alten Dragoner-Ställe wollen wir weitgehend als emotionalen Mittelpunkt erhalten", versprach der Geschäftsmann.

Bei der Umsetzung der Pläne sollen örtliche Wohnungsbaugenossenschaften Anteil haben. Erhalten bleibt nach jetzigem Stand ein Bio-Supermarkt, der sich an der Ecke Mehringdamm und Obentrautstraße befindet.

Von 1855 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs befanden sich auf dem Grundstück die Reitställe der Ersten Garde des Dragoner Regiments, einer Eliteeinheit des Preußischen Heeres.


Thomas Schubert / tsc
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