Öffentliches WC am Mehringdamm wird ausgeschrieben

Rund um die Toilette sieht es nicht einladend aus. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Schon seit Jahren gammelt die unterirdische Toilette an der Kreuzung Mehringdamm/Yorckstraße vor sich hin. Trotzdem hat sie zuletzt Begehrlichkeiten geweckt.

Denn es gibt Interessenten, die die Bedürfnisanstalt gerne bespielen möchten. Natürlich nicht als WC, sondern beispielsweise als Galerie, Café oder Raum für Veranstaltungen. Deshalb soll es jetzt nach einem Beschluss der BVV ein Interessenbekundungsverfahren geben. Das heißt, Bewerber können ihre Ideen einreichen und eine Jury entscheidet darüber, ob sie an dieser Stelle nachvollziehbar und vor allem machbar sind.Denn die Möglichkeiten sind eingeschränkt. Das Untergrundlokal hat mit höchstens 50 Quadratmetern nur eine relativ kleine Fläche. Die Frage ist deshalb, ob sich dort ein Betrieb gewinnbringend organisieren lässt.

Das bezweifeln vor allem die Grünen und deren Baustadtrat Hans Panhoff, der das WC ohnehin "am liebsten zugeschüttet hätte." Die meisten möglichen Bewerber, die bisher vorstellig wurden, würden auch von einer oberirdischen Nutzung des Mittelstreifens, etwa als kleines Gartenlokal ausgehen. "Das lehnen wir aber grundsätzlich ab", betont Panhoff. Er begründet das zum einen mit zusätzlichen Lärmproblemen in diesem ohnehin stark frequentierten Gebiet. Außerdem hätten es die Grünen am liebsten, wenn der gesamte Mittelstreifen zu einer Grünanlage umfunktioniert werden könnte. Allerdings wird sich diese Idee in den kommenden Jahren oder gar Jahrzehnten schon aus Geldmangel wohl kaum realisieren lassen.

Ohne einen Freiluftbetrieb sei die Toilette aber nicht wirtschaftlich zu unterhalten, folgert Panhoff. Deshalb hat er Zweifel, ob das Interessenbekundungsverfahren überhaupt neue Erkenntnisse bringt. "Aber es ist der Wunsch der BVV, dem ich natürlich nachkomme."

Die Ausschreibung hatten die anderen Parteien gegen die Grünen im Bezirksparlament durchgesetzt und sehen deren Nutzen schon deshalb etwas anders. "Wir sollten zunächst einmal abwarten, was für Vorschläge eingereicht werden", meint der SPD-Fraktionsvorsitzende Andy Hehmke. Selbst ein kategorisches Nein zu jeglicher Art von Freiluftbetrieb würde er nicht unterschreiben. "Es kommt darauf an, wie das Gesamtkonzept aussieht." Passe das, seien aber natürlich Kandidaten im Vorteil, die sich auf den Untergrund konzentrieren.


Thomas Frey / tf
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden