Bezirksamt fordert gerechtere Verteilung der Asylbewerberplätze

Lichtenberg. Die steigende Unterbringung von Asylbewerbern im Bezirk wird zum politischen Thema: der Bürgermeister fordert eine gerechtere Verteilung der Plätze. "Aktuell bewerben sich in Berlin rund 3900 Menschen um Asyl. Über 1000 davon sind in Lichtenberg untergebracht", erklärt Bürgermeister Andreas Geisel (SPD).

Wo solche Unterkünfte in Berlin eröffnet werden, darüber entscheidet das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo). Kürzlich wurde in Lichtenberg die vierte Unterbringung für Flüchtlinge eröffnet. Das Bezirksamt erfuhr von der Notunterkunft in Fennpfuhl, als diese schon in Betrieb war. Seit Anfang des Jahres ist auch die Erstaufnahmestelle in einem Wohnhaus in der Rhinstraße in Betrieb. "Wir nehmen unsere Verantwortung für die Asylbewerber wahr, sie sind hier willkommen", bekräftigt Geisel. Trotzdem könne die Entwicklung so nicht weitergehen. Denn aktuell ist der Bezirk mit dem Abbau von 300 Stellen in der Bezirksverwaltung konfrontiert. Mit der Unterbringung von Asylbewerbern bekommt die Verwaltung zusätzliche Aufgaben aufgebürdet. Mehr Kinder müssen beschult werden, unter den Anwohnern muss der Bezirk für Akzeptanz werben. "Die Ballung von Flüchtlingen an einzelnen Standorten ist nicht gut", so Geisel. Die Menschen kommen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen. Konflikte in den Einrichtungen und im Wohnumfeld seien zu erwarten. Der Bezirk fordert vom Senat, diesen Konflikten vorzubeugen. Etwa durch eine sozialpädagogische Betreuung für die Menschen in den Unterkünften und für die Anwohner. Zudem werden Schulplätze gebraucht, denn der Bezirk ist für die Beschulung der Flüchtlingskinder verantwortlich. Dabei können diese Kinder selten in Regelklassen unterrichtet werden. Wegen Fluchttraumata und fehlenden Deutschkenntnissen sind Kleinklassen vonnöten. Dabei fehlen im Bezirk Schulplätze. Bis 2015/2016 müssen fünf neue Schulen eröffnet werden, um die steigenden Kinderzahlen zu bewältigen. Geisel fordert umgehende Infrastrukturhilfe vom Senat. Zudem fehle es an Personal für die gesetzlich vorgeschriebenen Schuleingangsuntersuchungen. "Wir können für diese Aufgabe nicht allein aus unserem Haushalt aufkommen." Der Bezirk übernehme die Verantwortung für andere mit: "Andere Bezirke wie etwa Reinickendorf stellen bis heute null Unterkünfte für Flüchtlinge", so Geisel.


Karolina Wrobel / KW
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