Denis Sabin ist der Direktkandidat der Piraten

Lichtenberg ist die Logistikzentrale für den Berliner Wahlkampf der Piraten. Der Direktkandidat für den Wahlkreis 86 heißt Denis Sabin. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Am 22. September finden die Wahlen zum Bundestag statt. Im Bezirk Lichtenberg stellen sich die Kandidaten ihren Wählern vor.

Denis Sabin ist wohl der einzige von ihnen, der die Wähler nach ihren Kontoauszügen fragt. "Was NSA, CIA, BND machen, kannst du doch auch mir zur Verfügung stellen", schreibt er in seinem Blog "Spreekaribik". Überwachung und Datenspeicherung, mit diesen Themen kennt sich der Pirat gut aus. Der 29-jährige Lichtenberger hat sich deshalb auch ins Wahlprogramm der Partei eingebracht. "Ich habe mich in einem eigenen Antrag gegen die EU-Bestrebungen gewandt, sogenannte Passanger-Name-Records zu ermöglichen", das sei die verdachtsunabhängige Sammlung und Speicherung von Reisedaten. "Dein Sitz im Flugzeug, welches Essen du bestellst und mit welcher Kreditkartennummer du bezahlst: Bis zu 60 Parameter würde so ein Datensatz haben", erklärt Sabin. Dass der Antrag beim Bundesparteitag in Neumarkt unter etwa 400 Anträgen so schnell angenommen wurde, überraschte Denis Sabin selbst. Er ist sichtlich stolz auf seinen Erfolg. Während Direktkandidaten der etablierten Parteien den Kreisvorsitz oder Fraktionsvorsitz im Bezirk bekleiden und lange darauf hingearbeitet haben, muss Sabin da mit den Schultern zucken. "Meine wichtigste Funktion bisher ist das Kapitänsamt. Ich war bislang in keinem Vorstand." Denis Sabin ist Kapitän der Crew Prometheus, einer lokalen wie informellen Ortsgruppe. Teil der Gruppe, die sich aus Lichtenberger und Friedrichshain-Kreuzberger Piraten zusammensetzt, ist auch der Abgeordnete Fabio Reinhardt.

Die Kandidatur zum Bundestag sieht Sabin eher unter den Vorzeichen, über die politischen Ziele der Partei aufzuklären. Sich selbst rechnet der 29-Jährige kaum Chancen aus, das Mandat zu holen. Eloquent argumentierte Sabin bereits in Dutzenden Podiumsdiskussionen gegen die Wahlprogramme der anderen Parteien an. Meistens, erzählt er, sei er der letzte, der zu Wort kommen darf. "Diese Diskussionen sind eher starr. Bislang war nur eine Diskussion ziemlich cool: die in der Kiezspinne mit den Anwohnern." Statt Frontalreden zu halten hielten die Kandidaten Tischgespräche mit dem Publikum. "Da hatte ich mal richtig Zeit, unsere Idee vom Bedingungslosen Grundeinkommen oder vom ticketlosen ÖPNV zu erklären." Es sind Ideen, die auf lange Sicht Alters- und Kinderarmut abschaffen sollen. "Zuerst soll ein Diskurs angeschoben werden, denn ob Grüne oder Linke, sie alle haben ähnliche Ansätze wie wir. So etwa die Grünen mit der Bedingungslosen Kindergrundsicherung." Und auch der ticketlose Nahverkehr muss als Idee erst an den Mann gebracht werden. "Ticketlos bedeutet nämlich nicht kostenlos. Unser Modell sieht eine Pauschale vor, etwa 30 Euro im Monat für jeden."

Wenn Denis Sabin von den Piraten spricht, fallen Worte wie "frisch" und "anders". Doch er weiß auch um die Außenwahrnehmung. "Dann heißt es, wir wären ein Chaoshaufen voller extravaganter Charaktere". Er stieß 2011 zu den Piraten, sagt, er sei vorher eher unpolitisch gewesen. In Hellersdorf aufgewachsen wohnt der Elektrotechniker seit sieben Jahren in Lichtenberg. Bis zur Wahl wird er weiter versuchen, das Programm der Piraten an den Wähler zu bringen. Danach will er erst mal Kraft tanken. "Zu tun gibt’s auf kommunaler Ebene dann ja noch genug."


Karolina Wrobel / KW
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