Der Musiker und Theologe Olaf Ruhl will jiddische Kultur bekannter machen

Der Sänger und Theologe Olaf Ruhl. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Im Weitlingkiez ist Olaf Ruhl bereits bestens bekannt. Durch seine Auftritte versucht er, jüdische Kultur in seinem Viertel populär zu machen.

Seinen Kiez und dessen Bewohner kennt Olaf Ruhl gut. Er wohnt und klebt Plakate in seinem Viertel, um seine Auftritte als Musiker anzukündigen. Der 49-Jährige will die jiddische Tradition und Kultur im Kiez bewusst wachhalten. Seine Bekanntheit nutzt der Musiker und Theologe ganz bewusst. "Es ist ein Dagegenhalten. Ich will mir keine Angst machen lassen", sagt er. Und Mut braucht er, weil in seinem Kiez die rechtsextreme Szene immer wieder Fuß fassen will. Ruhl verlässt sich nicht nur auf die Aktionen des Lichtenberger Bündnisses für Demokratie und Toleranz, dem er selbst angehört. Sein Wunsch ist es, die jüdische Tradition durch Auftritte in Kiezcafés und Begegnungsstätten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. "Mir geht es um die Vermittlung von jüdischer Kultur. Doch ich merke, wie viele Hemmschwellen es noch zu überwinden gibt", erklärt Ruhl. Sein Repertoire an jiddischen Liedern ist groß. Bei seinen Auftritten singt er und erzählt zwischendurch jüdische Anekdoten. Eine akustische Gitarre, ein Akkordeon und die eigene Stimme sind alles, was Olaf Ruhl braucht. Aber warum singt ein evangelischer Theologe auf Jiddisch? Seine Urgroßmutter war Jüdin. Dies kam aber in seiner Familie nie deutlich zur Sprache. Es gab nur Andeutungen. "Daher hatte ich das Gefühl, ein Achteljude zu sein, ohne mir dessen wirklich bewusst zu sein", erzählt Ruhl. Weil ihn zudem biblische Geschichten faszinierten, studierte er evangelische Theologie in Marburg - und übertrug die vom musischen Vater mitgegebene Musikbegabung in seine Glaubenswelt. "Andere haben gebetet, ich habe immer gesungen", sagt er lachend. Sein Interesse an jiddischer Musik wurde während des Studiums durch das Lied "Donna Donna" und dessen Bedeutung geweckt. "Es hat mich berührt, öffnete mir Herz und Geist", erzählt er rückblickend. Er knüpfte Kontakte zu anderen Klesmer-Musikern und entdeckte, dass jiddische Lieder nicht immer von Trauer und dem Holocaust handeln. "Es sind bunte, witzige Lieder, die vielfach fröhliche Geschichten erzählen", weiß Olaf Ruhl. Doch sie unterhalten nicht nur, sondern stehen auch für Verständnis und Toleranz.

Am 9. November ist Olaf Ruhl zusammen mit Tania Alon zu Gast in der Alten Pfarrkirche Lichtenberg am Loeperplatz. Ab 18 Uhr singen sie hebräische und jiddische Lieder.

Karolina Wrobel / KW
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