Die Arbeit in Jugendeinrichtungen soll zu 30 Prozent ehrenamtlich sein

Das Quoten-Konzept wurde im Jugendhilfeausschuss heiß diskutiert. | Foto: Wrobel
  • Das Quoten-Konzept wurde im Jugendhilfeausschuss heiß diskutiert.
  • Foto: Wrobel
  • hochgeladen von Karolina Wrobel

Lichtenberg. Mit dem Einsatz von Ehrenamtlichen sollen die Kosten für die Jugendarbeit in Lichtenberg gesenkt werden. Das Konzept geht so nicht auf, bemängeln die Verantwortlichen in den Jugendfreizeiteinrichtungen.

"Manche Ehrenamtliche hinterlassen mehr Schaden, als dass sie unserer Arbeit nutzen", sagt Steffen Bayer, Leiter der Jugendfreizeiteinrichtung (JFE) "Tierparkclub" am Erieseering. "In Konflikten mit den Jugendlichen sind Praktikanten oft überfordert", berichtet Sven Grössl von der JFE "Betonoase" in der Dolgenseestraße. "Wir müssen jeden Ehrenamtlichen akzeptieren, der sich uns anbietet. Nur so kommen wir auf die verlangte Quote an Stunden", sagt wiederum Agnes Ludwig, Leiterin der JFE "Falkenburg" in Falkenberg.

Seit vergangenem Jahr gilt die Vorgabe des Bezirks, dass in Jugendfreizeiteinrichtungen Ehrenamtliche eingesetzt werden. Sie müssen 30 Prozent aller Angebotsstunden in der offenen Jugendarbeit erbringen. Das soll Kosten sparen und die Schließung von Einrichtungen verhindern.

Ob das Konzept aufgeht, wollten der Jugendhilfeausschuss und das Jugendamt jetzt wissen. Sie luden Träger der Jugendarbeit ein, ihnen zu berichten. Die Probleme gleichen sich in allen Regionen. "Es gibt breite Klagen über befristete Arbeitsverträge für die Fachkräfte. Und auch der höhere Einsatz der Ehrenamtlichen sehen einige als problematisch, andere wiederum können die Quote gut erfüllen", fasst der jugendpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Erik Gührs zusammen.

Seine Bilanz der Gespräche: "Ehrenamtliche einzusetzen ist richtig. Ihr Anteil sollte aber flexibler gehandhabt werden." Dieser Meinung folgt auch der jugendpolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Bartosz Lotarewicz: "Die Quote ist nicht für jede Einrichtung umsetzbar." Er sieht das Jugendamt in der Pflicht, hier passende Quoten für die Einrichtungen zu verhandeln. "Die Quote ist nicht haltbar", bilanziert wiederum Norman Wolf, jugendpolitischer Sprecher der Partei Die Linke. "Praktikanten und Ehrenamtliche sind keine Lösung, wir wollen fest angestellte Fachkräfte." Das Geld dafür könnte aus dem Grünflächenetat abgezogen werden, schlägt Wolf vor.

Schließungen möglich

Einig waren sich die fachpolitischen Sprecher in einem Punkt: Alle sehen den Senat in der Pflicht, mehr Geld für Jugendarbeit bereitzustellen. Wolf schlägt sogar vor, mit einem Brandbrief auf die Not aufmerksam zu machen. Denn tatsächlich hat das bezirkliche Quoten-Konzept eben die Schließung von Einrichtungen letztlich nicht verhindern können. Die Caritas kündigte jüngst an, die Arbeit in der "Kinderbude" in Wartenberg aufzugeben.

Deshalb wurden auch Stimmen laut, welche die Schließung von Einrichtungen zugunsten der Ausfinanzierung anderer Einrichtungen befürworteten. "Diese Lösung will ich nicht ausschließen", bilanziert Erik Gührs. Norman Wolf ist ähnlicher Meinung: "Schließungen wären eine Überlegung wert, sofern Regionen nicht ganz unterversorgt würden."

Bartosz Lotarewicz wiederum sagt: "Wir brauchen alle Einrichtungen." Im August will der Jugendhilfeausschuss über mögliche Lösungen beraten.

Karolina Wrobel / KW
Autor:

Karolina Wrobel aus Lichtenberg

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Das Spezialitätenrestaurant "Yummy Kitchen" in der Zossener Straße ist imer einen Besuch wert.
6 Bilder

Yummy Kitchen
Köstlichkeiten aus der südindischen und sri-lankischen Küche

Seit 2021 existiert das Spezialitätenrestaurant "Yummy Kitchen" im angesagten Kreuzberger Kiez und lädt Liebhaber der südindischen und sri-lankischen Küche zum ausgiebigen Schlemmen und Genießen ein. So wundert es nicht, dass sich die Location, die über Innenplätze auf zwei Ebenen sowie einen gemütlichen Außenbereich verfügt, zu einem geschätzten Treffpunkt gemausert hat, der zahlreiche Berliner Stammgäste, aber auch Touristen aus dem In- und Ausland regelmäßig begrüßt. Verkehrsgünstig und...

  • Kreuzberg
  • 26.04.24
  • 102× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Vernachlässigen Sie nicht Ihre Füße. Dieses wichtige Körperteil trägt uns durchs Leben.

Probleme und ihre Lösungen
Probleme rund um den ganzen Fuß

Haben Sie Ihren Füßen jemals gebührende Aufmerksamkeit geschenkt? Oft vernachlässigen wir sie, solange sie funktionieren und schmerzfrei sind. Sobald Beschwerden auftreten, wird uns die Bedeutung dieses komplexen Körperteils schlagartig bewusst. Unsere zertifizierten Fußchirurgen geben Ihnen Einblicke in die Anatomie des Fußes und behandeln gezielt Fehlstellungen und Verletzungen mit innovativen Lösungsansätzen. Erfahren Sie mehr über Fußprobleme wie Achillessehnenbeschwerden,...

  • Hermsdorf
  • 25.04.24
  • 222× gelesen
WirtschaftAnzeige
Das Restaurant Veggie & Vega in der Gneisenaustraße 5.
6 Bilder

Veggie & Vega Restaurant
Gesundes Essen mit exzellentem Geschmack

Seit Frühjahr 2023 existiert das Restaurant Veggie & Vega in Kreuzberg, das eine Vielzahl an vegetarischen sowie veganen Speisen aus der (süd)indischen Küche anbietet. "Gesund" lautet hier dementsprechend das Motto, wobei alle Gerichte durch die spezielle Komposition von frischen Zutaten und den ganz passenden Gewürzen zu einem wahren Gaumenschmaus fusionieren. Die vegetarische oder vegane Ernährungsform ist seit Langem nicht nur ein Trend, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung, der immer...

  • Kreuzberg
  • 25.04.24
  • 209× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Hüftschmerzen beeinträchtigen Ihr Leben? Lassen Sie sich nicht länger quälen! | Foto: milangucic@gmail.com

Schonende OP-Methode
Patienteninfo: Wenn die Hüfte schmerzt

Hüftschmerzen beeinträchtigen Ihr Leben? Lassen Sie sich nicht länger quälen! Entdecken Sie die neuesten Wege zur Befreiung von Hüftschmerzen auf unserem Infoabend. Unser renommierter Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Leiter des Caritas Hüftzentrums, Tariq Qodceiah, führt Sie durch die modernsten Methoden bei Hüftoperationen. Erfahren Sie, wie die schonende AMIS-Methode eine minimalinvasive Implantation von Hüftprothesen ermöglicht und die Fast-Track-Behandlung eine rasche...

  • Hermsdorf
  • 26.04.24
  • 65× gelesen
WirtschaftAnzeige
Das Restaurant Chettinad finden Sie seit Herbst 2023 auch im Food Court im The Playce am Potsdamer Platz.
5 Bilder

Chettinad im Manifesto Market
Indien zu Gast im The Playce

Im ersten Oberschoss des populären Food Court im The Playce am Potsdamer Platz präsentiert sich seit Herbst 2023 auch das Restaurant Chettinad, das seine typisch indischen Spezialitäten somit an drei Berliner Standorten sehr eindrucksvoll präsentiert. Auch am Hotspot am Potsdamer Platz werden neben diversen landestypischen Suppen und Vorspeisen auch zahlreiche Hauptgerichte serviert, die ganz nach Belieben für eine kulinarische Reise der besonderen Art sorgen. Zu den Highlights zählen dabei...

  • Tiergarten
  • 24.04.24
  • 272× gelesen
WirtschaftAnzeige
Foto: pexels/Giulia Freitas
5 Bilder

Mode oder mehr?
Piercing. Von alten Ritualen bis zu moderner Kunst

Ist das Modeakzent oder kulturelles Erbe? Auf jeden Fall ist Piercing die beliebteste und gefragteste Körpermodifikation der Welt, die sowohl persönliche Vorlieben und Modetrends als auch tiefe kulturelle Traditionen widerspiegelt. Was ein modisches Piercing heute ist und wie es sich im Laufe der Zeit verändert hat, erfahren wir zusammen mit VEAN TATTOO in diesem Artikel. Eine der beliebtesten Arten von Piercings ist das Ohrlochstechen. Ein Klassiker aller Zeiten, ist das wirklich so und woher...

  • Mitte
  • 17.04.24
  • 626× gelesen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.