Die Linse eröffnete als erstes JKZ im Bezirk

Lichtenberg. Aus dem ehemaligen Jugendclub Linse ist ein Jugendkulturzentrum geworden. Am 22. März wurde die Eröffnung gefeiert. Doch ob der Laden künftig gut läuft, hängt auch davon ab, wie schnell der Verein Sozialdiakonische Jugendarbeit als Träger und der Verein LibeRo ihre Zusammenarbeit klären.

Viele jugendliche Besucher kamen zur Eröffnung des ersten und einzigen Jugendkulturzentrums (JKZ) in Lichtenberg. Trotzdem war die Stimmung bei einigen getrübt. Zu einem "Tag der geschlossenen Gesellschaft" begrüßte Tobias Krüger die Gäste und sprach von einer "Inszenierung". Krüger ist Vorstandsmitglied im Verein LibeRo, dessen Name für Lichtenberg Rock steht. Die jungen Musiker liegen seit Monaten im Streit mit dem freien Träger des Jugendclubs Linse, dem Verein Sozialdiakonische Jugendarbeit (SozDia).

Der LibeRo wurde vor acht Jahren in der Linse gegründete, er ist dort beheimatet und stattete die Einrichtung mit Veranstaltungstechnik aus. Da aus dem Jugendclub nun ein Jugendkulturzentrum wurde, möchte der Träger die Angebote ausbauen. Dazu gehören neben der Rockmusik auch Theater, Tanz und vieles andere. Der LibeRo befürchtet, aus der Einrichtung verdrängt zu werden.

Die Differenzen zwischen SozDia und LibeRo sind geblieben, das bestätigen Krüger und der Geschäftsführer von SozDia, Michael Heinisch. Die vom Jugendhilfeausschuss gewünschte Kooperationsvereinbarung zwischen den beiden Parteien gibt es bislang noch nicht. Ein Programmrat soll gegründet werden und SozDia und LibeRo sollen an einem Tisch sitzen, um die künftigen Veranstaltungen des neuen Jugendkulturzentrums zu gestalten.

Dazu soll es auch sogenannte Ehrenamtsverträge geben, welche die offizielle Mitarbeit des LibeRo durch den SozDia bestätigen und rechtlich absichern. "Solche Verträge bieten den ehrenamtlich Tätigen Rechte, zu denen ich mich gerne verpflichte", sagte Heinisch. Dazu gehört etwa eine Versicherung. Außerdem bekommen die Ehrenamtlichen feste Ansprechpartner, müssen aber ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Diese Ehrenamtsverträge will der LibeRo bislang nicht unterschreiben. "Natürlich sind wir offen, was die rechtliche Absicherung durch die Ehrenamtsverträge angeht", sagte Krüger gegenüber der Berliner Woche. "Doch von den Ehrenamtlichen wird auch eine Loyalitätsbekundung gegenüber dem SozDia abverlangt. Das ist für uns aus moralischen Gründen problematisch."

Besonders kritisiert der LibeRo die Personalpolitik des SozDia. Der Arbeitsvertrag des langjährigen Leiters des Jugendclubs Linse, Gerd Bergmann, wurde nicht verlängert. Bergmann erhielt sogar Hausverbot. Und auch weitere Mitarbeiter sind seit Kurzem nicht mehr in der Linse tätig. Einblick möchte der Verein auch in die durch den Träger abgerechneten Gelder haben, die ehrenamtliche Arbeit betreffen.

Für Michael Heinisch ist die Kooperation mit dem LibeRo "äußerst wünschenswert". Die sei aber auch ohne die standardisierten Ehrenamtsverträge möglich. "Wir planen, im künftigen Programmrat auch den Haushaltsplan für die Linse offenzulegen und damit transparent zu machen, was mit den Geldern aus den Ehrenamtsstunden passiert." Zudem soll laut Heinisch der Rat auch über den Einsatz dieser Gelder abstimmen können.


Karolina Wrobel / KW
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