Ehemaliges Stasi-Areal soll aufgewertet werden

Bei der Neugestaltung geht es nicht nur um Abriss, weiß Constance Cremer. Das Haus 22 böte dem Museum zusätzliche Fläche. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Graue Monotonie und Leerstand beherrschen noch das ehemalige Stasi-Areal an der Ruschestraße. Neue Ideen sollen für eine Aufwertung sorgen.

Constance Cremer muss nicht lange überlegen, um das ehemalige Stasi-Areal zu beschreiben: "Es wirkt trostlos und verschlossen." Immenser Leerstand prägt das Areal von insgesamt sieben Hektar Größe. "Von den rund 175 000 Quadratmetern Nutzfläche aller Gebäude auf dem Areal sind 80 000 Quadratmeter ungenutzt", erklärt die städtebauliche Expertin der Stadtentwicklungsgesellschaft "Stattbau". Prägend ist allerdings auch die DDR-Geschichte, die den Ort besonders macht. "Es geht nicht nur um den Leerstand. Die Historie des Geländes braucht eine angemessene Betrachtung und die Entwicklung des Areals also auch eine entsprechende Haltung", sagt Constance Cremer. Heute ist es das Stasi-Museum Berlin, das inhaltlich diese Historie aufgreift. Daneben haben in den umliegenden Gebäuden viele Dienstleister ihren Sitz gefunden: von einer Vermittlungsagentur über eine Bank, ein Ärztehaus, Steuerberater, das Finanzamt für Körperschaften bis hin zu einem Imbiss reicht die vielfältige Nutzung.

Trotzdem finden nur wenige Menschen ihren Weg auf das immer noch abgeschottet wirkende Gelände des früheren Stasi-Hauptquartiers. Und das liegt nicht nur an den monotonen Plattenbauten, sondern eben auch an dem hier einst residierendem Repressionsapparat der SED-Diktatur. Mit neuen Ideen soll das Areal jedoch in Zukunft aufgeschlossen werden: "Offenheit und Transparenz sind gefragt, um die Geschlossenheit des Komplexes in seiner heutigen Form aufzulösen", sagt Cremer. Zu einer der Ideen gehört der "Campus der Demokratie", der nicht nur die Jahn-Behörde aus der Mitte der Stadt nach Lichtenberg verlagern und zusammen mit dem Stasi-Museum Berlin und verschiedenen Verbänden zu einer umfassenden Bildungsstätte ausbauen würde.

Die Stadtumbaubeauftragte "Stattbau" entwickelte im Rahmen des Sanierungsgebietes Frankfurter Allee Nord ein Gutachten, in dem gleich drei Varianten für die Entwicklung des Areals vorgeschlagen werden. Darunter ist zum einen der weitestgehende Erhalt des Bestandes, zum anderen könnte ein großflächiger Abriss der aktuell leerstehenden Plattenbauten die Neugestaltung zu einem Geschichtscampus ermöglichen. Letzteres beinhaltet auch den Neubau von Gebäuden und ist mit 300 Millionen Euro Investitionsvolumen die kostenintensivste Idee.

Gleich welche Variante: die Entwicklung des Areals bleibt problematisch, gerade wegen den unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen und Interessen. "Wir zählen auf dem Gelände sieben Eigentümer, zu denen der Bund, das Land Berlin und verschiedene Investoren gehören", sagt Constance Cremer. Auch die privaten Investoren haben bis heute mit Investitionen am Standort gespart. "Die Eigentümer wünschen sich Perspektiven", weiß Cremer. Der Bauzustand vieler Gebäude ist marode.

Ein besonderes Problem bildet ein Komplex, der zuletzt von der Deutschen Bahn genutzt wurde. Er steht komplett leer. Deshalb wird eine Aufwertung des Areals an der Ruschestraße ohne die privaten Investoren nicht gelingen, aber auch der Bund und das Land Berlin müssen mitziehen. "Ob die Neugestaltung des Geländes eine regionale Wirkung oder doch eine berlinweite oder internationale Ausstrahlung haben soll, muss nun auch politisch festgelegt werden", sagt Constance Cremer.


Karolina Wrobel / KW
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