Heike Marquardt für besondere Verdienste in der Integrationsarbeit geehrt

Heike Marquardt. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Im Bezirk leben Menschen aus 145 Staaten. Als Integrationsbeauftragte hat Heike Marquardt fast 22 Jahre lang viele beim Ankommen begleitet und ging als Ehrenamtliche mit Projekten gegen Rassismus an.

Vietnamesisch? Nein, diese Sprache habe sie nie wirklich versucht zu lernen, sagt Heike Marquardt und lacht. "Wegen den vielen Tonhöhen! Mein Sohn ist da musikalischer", winkt sie ab. Dabei gehören Sprachen zu ihrem Alltag. Neben Deutsch sind das Russisch, Englisch, Französisch - ein wenig Arabisch, natürlich auch Vietnamesisch und viele andere Sprachen. "Als Türöffner" sagt sie. Lange Jahre gab sie an der Volkshochschule Englischunterricht und unterrichtet heute einen Damenkreis in Karlshorst immer noch in dieser Sprache, als Freizeitvergnügen. Doch nicht die Sprachen sind es, sondern die Menschen, von denen Heike Marquardt angezogen wird. "Das Andere hat mich schon immer fasziniert."Diese Neugier und Offenheit hat die bald 60-Jährige bis heute behalten. Seit 22 Jahren ist Heike Marquardt die Beauftragte für Integration in Lichtenberg und mittlerweile eine kleine Institution. Sie rief 1992 den Rat für Migrantenangelegenheiten Lichtenberg ins Leben. Es ist ein unabhängiges Gremium, dem ein großes Netzwerk angehört. In ihrer täglichen Arbeit als Integrationsbeauftragte ist sie nicht nur Ansprechpartnerin für Flüchtlinge und Migranten. Denn oft treffen unterschiedliche Kulturen schon im Hausflur aufeinander. "Dann gibt es Nachbarschaftsstreitigkeiten. Beim Kochen entstehen unterschiedliche Gerüche, manche fühlen sich durch die unterschiedliche Lebensweise gestört", sagt Marquardt. In solchen Fällen schlichtet sie. "Viele Menschen haben den Umgang mit Fremdheit nicht gelernt. Zuwanderern darf aber die Chance, in der Gesellschaft anzukommen und hier ihr eigenes Glück zu suchen, nicht einfach verweigert werden. So etwas trägt immer faule Früchte." Allein über 6000 Vietnamesen leben in Lichtenberg, dazu kommen Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion und Menschen aus insgesamt 145 Staaten.

Wie es sich anfühlt, ein Fremder zu sein, das weiß Heike Marquardt durch Hunderte Begegnungen mit Flüchtlingen. Diese Menschen trugen in den oft wenigen Koffern nicht nur ihre gesamten Habseligkeiten, sondern auch ganze Lebensschicksale mit. Die Bedrohung durch Abschiebehaft, das Ausgeliefertsein an die Ausländerbehörde - "ich bin als eine der wenigen von der Pflicht ausgenommen, zum Telefonhörer zu greifen, wenn Menschen ohne Papiere in der Bürotür stehen", erklärt Marquardt.

Hilfe und Empathie

Dann hört sie den Betroffenen zu, vermittelt Hilfen, redet mit der Ausländerbehörde. "Es geht nicht um Mitleid, sondern um Hilfe und Empathie. Denn es gibt immer einen Ermessensspielraum, trotz der Gesetze", sagt Marquardt. "Niemand ist mehr wert als der andere. Jeder Mensch ist einzigartig."

Dass dieser Satz nicht eine Plattitüde, sondern ein lichter Gedanke ist, versucht sie auch seit mehreren Jahren in einem Antirassismus-Lese-Projekt an Schulen zu vermitteln und erreichte in ihren Lesungen mehr als 10 000 junge Menschen. Ehrenamtlich. 2007 erhielt sie dafür den Bundespreis der Stiftung Lesen. Am 11. Januar wurde Heike Marquardt nun von der CDU Lichtenberg mit dem "Preis für besondere Verdienste um den Bezirk" geehrt. Im April dieses Jahres wird sie ihre Stelle als Integrationsbeauftragte aus Altersgründen aufgeben. Nicht aber ihr Engagement. Spätestens im November will sie selbst die Koffer packen - um sich für ein Hilfsprojekt in Vietnam einzusetzen.


Karolina Wrobel / KW
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