LibeRo und SozDia streiten um den Jugendclub "Linse"

Kampf statt Kooperation: Um den Jugendclub "Linse" gibt es seit Monaten Streit. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Seit Monaten gibt es mächtigen Zoff um den Jugendclub "Linse", An der Parkaue 25. Jugendliche und junge Erwachsene pflegen die Rockmusik-Tradition des Clubs. Sie fühlen sich vom freien Träger der Einrichtung hinausgedrängt.

Wem gehört die "Linse"? Seit Monaten liegen der Verein LibeRo und der freie Träger Sozialdiakonische Jugendarbeit Lichtenberg e.V. (SozDia) im Clinch. Vor neun Jahren bewahrte SozDia den einst kommunalen Club vor der Schließung. Der Verein LibeRo ist seit acht Jahren im Jugendclub "Linse" beheimatet, sein Name steht für "Lichtenberg Rock" und ist Programm: zum Verein gehören junge Bands aus dem Rock- und Metalmusikgenre. Der Jugendclub "Linse" dient dem Verein als Veranstaltungsort. Dafür haben die Mitglieder die Räume aufwendig mit Aufnahme- und Wiedergabetechnik ausgestattet. Diese ehrenamtliche Arbeit hat es unter anderem möglich gemacht, dass die "Linse" am 22. März als "Jugendkulturzentrum" eröffnen soll. Von der Parkaue 25 aus soll künftig die kulturelle Jugendarbeit für den gesamten Bezirk koordiniert werden. "Weil der Club schon immer ein spezifisches Profil hatte, bot es sich an, hier das erste Jugendkulturzentrum in Lichtenberg zu verorten", erklärt der Jugendamtsleiter Rainer Zeddies.

Der Träger will mit dem Jugendkulturzentrum die Clubangebote ausbauen - unter Umständen ohne den Verein LibeRo. "Das Jugendkulturzentrum Linse ist auf eine Kooperation mit dem LibeRo nicht substanziell angewiesen", heißt es von SozDia in einer öffentlichen Stellungnahme. "Die Beiträge von LibeRo sind zwar gut und wichtig, aber es soll in der Linse neben musikpädagogischer Arbeit auch Tanz, Theater und andere künstlerische Formen geben", sagt die Sprecherin des Trägers SozDia, Nina Blankenburg, zu dem neuen Konzept.

Damit drohe in der"Linse" ein gewichtiger Teil der eigenen kulturellen Jugendarbeit vergangener Jahre begraben zu werden, so der Vorstand des LibeRo gegenüber der Berliner Woche. Seinen Namen will der Vorstand nicht in der Zeitung lesen, die Fronten sind verhärtet. Und auch Nina Blankenburg spricht von einem Streit, der an den Nerven zerrt.

Dabei klappte in der Vergangenheit die Zusammenarbeit zwischen Träger und Verein gut. Das lag auch an den langjährigen Mitarbeitern, so der LibeRo-Vorstand. Die meisten dieser Mitarbeiter sind nicht mehr da. Darunter ist auch der frühere Leiter, der die Einrichtung seit einem Jahrzehnt führte und vom Träger übernommen wurde. "Sein Vertrag ist Ende 2012 ausgelaufen", sagt Nina Blankenburg. Was den Konflikt zwischen den jungen "Linse"-Besuchern und dem Träger offenbar befeuert hat: der Träger hat dem früheren Leiter Hausverbot erteilt. Zu den Gründen wollte sich Blankenburg nicht äußern. Der LibeRo befürchtet, mit dem Mitarbeiterwechsel würden die gewachsenen Projekte nicht mehr fortgeführt.

Ein weiterer Streitpunkt in der "Linse": Während der Träger auf seine Verpflichtung verweist, Angebote für Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren anzubieten, sind viele LibeRo-Mitglieder diesem Alter entwachsen. Die Bands seien die wichtigste Projektgruppe von LibeRo - und noch im richtigen Alter, argumentiert der LibeRo.

Das Bezirksamt steht dem Verein positiv gegenüber: "Für den Träger bietet sich mit dem Verein eine großartige Möglichkeit", sagt Jugendamtsleiter Zeddies. Nicht unerheblich ist, dass der Verein LibeRo fast die komplette Veranstaltungstechnik in der Linse stellt. Der Jugendhilfeausschuss hat SozDia und LibeRo vorgeschlagen, eine Kooperationsvereinbarung zu schließen. Bislang sind sich die zwei Seiten noch uneinig, wie diese Kooperation aussehen soll.


Karolina Wrobel / KW
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