„Kinder ziehen Kinder an“: Handball für Flüchtlingskinder in Waidmannslust

Der 21-jährige Christoph Staude, A- und B-Juniorentrainer bei der SG Hermsdorf-Waidmannslust, betreut auch das Training für Flüchtlingskinder. (Foto: Michael Nittel)
Berlin: Sporthalle der Romain-Rolland-Oberschule |

Waidmannslust. Seit Juni bietet die SG Hermsdorf-Waidmannslust ein Handballtraining für Flüchtlingskinder an, die im ehemaligen Collège Voltaire untergebracht sind.

„Die Flüchtlingskinder, die ja nur 200 Meter Luftlinie von hier entfernt wohnen, haben unseren Kindern beim Training zugeschaut und wollten unbedingt selber mitmachen“, berichtet die stellvertretende Abteilungsleiterin der SG, Bettina Strohscheer-Mies. „Wie das halt so ist: Kinder ziehen Kinder an. Und da lag es für uns eigentlich auf der Hand, hier auch ein Training für Flüchtlingskinder zu initiieren.“

Jeweils freitags pilgern nun rund 15 Mädchen und Jungen von sechs bis 16 Jahren in die kleine Sporthalle der Romain-Rolland-Oberschule, um für eineinhalb Stunden bei Handball und viel Spaß ihren Alltag zu vergessen. Zunächst war das Training von den langjährigen Vereinsmitgliedern, den jeweils achtzigjährigen Joachim Fronia und Erich Richter durchgeführt worden. „Die beiden haben keinen Moment gezögert und sich sofort bereit erklärt, das Training zu leiten.“ Doch so viele Kinder unterschiedlichen Alters zu betreuen, die gern auch mal ihre drei- oder vierjährigen Geschwister mitbringen, ist alles andere als einfach – von den sprachlichen Barrieren mal ganz zu schweigen.

Auch deshalb wird das Training mittlerweile vom 21-jährigen Christoph Staude geleitet, der auch die A- und B-Junioren der SG trainiert. „Christoph ist sehr umtriebig und macht seine Sache wirklich großartig“, freut sich Bettina Strohscheer-Mies. „Er holt die Kinder aus der Unterkunft ab und kümmert sich wirklich rührend um alles.“ Tatkräftig unterstützt wird er dabei regelmäßig von mehreren Spielern seiner B-Jugend. Die 15- und 16-jährigen Freiwilligen helfen, die Flüchtlingskinder, die überwiegend aus dem Kosovo, Albanien und Serbien stammen, zu betreuen und anzuleiten. „Auch unsere Jugendlichen nehmen aus diesem Projekt einiges mit“, ist sich Strohscheer-Mies sicher. Erst unlängst war ein 13-jähriger Flüchtlingsjunge, der sehr aktiv am Training teilgenommen hatte, abgeschoben worden. „Damit umzugehen, ist alles andere als einfach und das Bedürfnis der jungen Menschen, darüber zu reden, ist natürlich sehr groß.“

Der Handballverband hat im Übrigen eine Sonderregelung ins Leben gerufen, mit der Vereinen die Möglichkeit eingeräumt wird, Flüchtlinge am Punktspielbetrieb teilnehmen zu lassen, ohne dass diese einen gültigen Spielerpass besitzen müssen. Von dieser Regelung hat die SG zwar noch keinen Gebrauch gemacht. Aber den älteren Flüchtlingskindern hat man die Möglichkeit eingeräumt, beim A-Junioren-Training mitzumachen, das freitags immer im Anschluss durchgeführt wird.

Unterstützt wird das Projekt vom VfB Hermsdorf, der mehrere hundert Euro für Sportschuhe gespendet hat, und den Füchsen Berlin, die die Sporthosen spendierten. min

Nähere Informationen zur SG, dem Projekt und den Möglichkeiten, dieses zu unterstützen, gibt es unter www.sg-hermsdorf-waidmannslust.de.
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