Freies Theater bespielt Gemeindesaal in der Putlitzstraße

Hans-Joachim Frank hat sein Theater vor 24 Jahren gegründet. (Foto: Liptau)

Moabit. Das zwar professionelle, aber dennoch freie "theater 89" ist Anfang des Jahres von Mitte in die Putlitzstraße gezogen. Im historischen Gemeindesaal im Hinterhof der Hausnummer 13 arbeiten die Künstler fortan deutsch-deutsche Geschichte auf.

Ende April wird sich in der Putlitzstraße die Staats- und Parteispitze der frühen DDR mit Stalin unterhalten. Unter dem Titel "Gipfelgespräche: Stalin, Pieck, Ulbricht, Grotewohl" bringen die Schauspieler des "theater 89" Gespräche auf die Bühne, die bei einem Treffen der Politiker 1952 tatsächlich geführt wurden und im russischen Staatsarchiv in Moskau dokumentiert sind. "Natürlich packen wir noch ein bisschen Inszenierung drauf", sagt Regisseur Hans-Joachim Frank. Schließlich spiele man ja Theater. Dennoch will Frank mit dem, was seine Besucher künftig in der Putlitzstraße zu sehen bekommen, immer nah an der Realität bleiben. Die Geschichte der DDR, der Wende und dem, was danach kam, "emotional aufarbeiten". Am 1. Mai 1989 hat Frank sein Theater in der Torstraße gegründet und ist seither künstlerischer Leiter. Zuvor war er Schauspieler am Berliner Ensemble, habe aber irgendwann "die Nase voll gehabt vom Staatstheater". Das "theater 89" sei zu dem Zeitpunkt schon der dritte Anlauf gewesen, um selbstbestimmt zu arbeiten. Die vorhergehenden Versuche seien politisch unterbunden worden, 1989 ließ man ihn gewähren. "Die hatten zu dem Zeitpunkt schon ganz andere Probleme", sagt Frank.

Seitdem kurz nach der Gründung die Mauer fiel, kümmert sich Frank um die Aufarbeitung "unserer eigenen Geschichte". Bringt gemeinsam mit seinen Schauspielkollegen also vor allem Autoren auf die Bühne, die die Situation der in der DDR, während der Wende oder der Nachwendezeit beschrieben haben. Interessanterweise bestehe sein Publikum überwiegend aus Westdeutschen. Er glaube, dass sich die Ostdeutschen der Diskussion über den untergegangenen Staat und seiner Partei nicht stellen wollen. "Die wollen sich nicht mehr verletzen lassen", mutmaßt Frank.

Deshalb ist es vielleicht gar nicht so falsch, dass das Theater 24 Jahre nach seiner Gründung nun ins alte Westberlin gezogen ist. Im neuen Raum fühlen sich die Theaterleute auf jeden Fall wohl. Der ehemalige Gemeindesaal einer Evangelischen Heilandsgemeinschaft wird gemeinsam mit dem Puppenschauspieler Thomas Rohloff betrieben. 1907 gemeinsam mit dem Vorderhaus an der Putlitzstraße 13 errichtet, stand er vorher jahrelang leer.

Infos zu Theater und Spielplan unter www.theater89.de und 31 16 1190.

Ralf Liptau / flip
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