Studenten wollen leeres Erdgeschoss zurückerobern

Nicht nur im Winter trostlos: Viele Straßen in Moabit sind von Leerstand und Spielcasinos geprägt. (Foto: Liptau)

Moabit. Studenten der Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTW) beschäftigen sich gerade mit den Erdgeschossen in Moabit-Ost. Ein Viertel der Ladenlokale steht dort leer und könnte - teilweise sogar barrierefreien - als Wohnraum genutzt werden.

Noch vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen. Aber auch in Moabit werden die Wohnungen knapp, und die Mieten schnellen in die Höhe. Dabei gibt es eigentlich noch ziemlich viel Platz. Doch die Erdgeschosse, die vor allem in Moabit oft leerstehen, werden offenbar einfach übersehen. "Mir ist unverständlich, warum sie nicht viel stärker in den Fokus der Bauämter, der Politik und der Eigentümer rücken", wundert sich Regina Zeitner, Professorin an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW).

Mit 30 ihrer Studenten aus dem Masterstudiengang Facility Management will sie nun dazu beitragen, dass das "Stiefkind" Erdgeschoss künftig stärker genutzt und damit gleichzeitig die Straße als "erweiterter Lebensraum" begriffen wird. Während sich beispielsweise in Amsterdam ein Großteil des sozialen Lebens zwischen Trottoir und Erdgeschosswohnungen abspiele, finde man hierzulande oft nur Ödnis vor. In Moabit-Ost stehen 24 Prozent der Gewerbeflächen im Erdgeschoss leer.

Bis Januar nun wollen die Studenten in fünf Arbeitsgruppen jeweils ein sogenanntes "Szenario" durcharbeiten und ihre Ideen und Erkenntnisse dokumentieren. Eine Gruppe fasst beispielsweise die Möglichkeiten und eventuellen Probleme zusammen, die sich ergeben, wenn ein Eigentümer die Gewerbeeinheit umbaut und dann verkauft. Andere fragen nach den Rahmenbedingungen zur Vermietung von Gewerbefläche als Wohnraum. Eine dritte Gruppe zeigt auf, wie die langfristige Entwicklung im Kiez aussehen würde, würden die Gewerbeflächen weiterhin leerstehen.

"Uns ist aber auch wichtig, die Menschen vor Ort kennenzulernen und mit ihnen in Kontakt zu kommen", sagt Student Ildar Samatov. Deshalb würden sie eng mit dem Quartiersmanagement Moabit-Ost kooperieren. Bisher sei es allerdings noch schwierig, an die Eigentümer heranzukommen. "Viele leben gar nicht in Deutschland oder interessieren sich kaum für die Immobilie." Dort sei die Aufgabe der Studenten, die Eigentümer vom - finanziellen und sozialen - Mehrwert eines wieder belebten Erdgeschosses zu überzeugen. Dazu beitragen soll unter anderem eine Broschüre, die die Ergebnisse der Forschungen zusammenfassend darstellt. Sie wird am 28. Januar ab 9 Uhr in der Beuth Hochschule für Technik in der Luxemburger Straße 10 vorgestellt.

Weitere Informationen über den E-Mail-Kontakt www.htw-berlin.de/aktuelles/veranstaltungskalender/.

Ralf Liptau / flip
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