Am Müggelsee wurde 1953 der Streik beschlossen

Ziseleur Dieter Seiler bei letzten Arbeiten an der Gedenktafel. Sie soll richtig glänzen. (Foto: Ralf Drescher)

Müggelheim. Das Gasthaus "Rübezahl" am 13. Juni 1953. Rund 600 Berliner Bauarbeiter sind auf Betriebsausflug und sitzen beim Bier. Am Ende des Tages beschließen sie einen denkwürdigen Streik.

Ein paar Tage später legt in der DDR rund eine Million Menschen die Arbeit nieder. Nur mit sowjetischen Panzern gelingt es, den Volksaufstand niederzuschlagen.In "Rübezahl" erinnert künftig ein Gedenkstein daran, dass hier einer der Ausgangspunkte des Arbeiteraufstands war. "Wir sind stolz darauf, dass der Aufstand gegen die SED-Diktatur bei uns im Bezirk seinen Anfang nahm. Und wir sind stolz darauf, dass damals friedlich protestiert wurde. Der Staat reagierte darauf mit Gewalt", sagt Bürgermeister Oliver Igel (SPD). Er wird die Einweihung des Gedenksteins am 8. Juni um 19.30 Uhr vornehmen. Der Standort liegt auf halbem Weg zwischen Parkplatz am Müggelheimer Damm 143 und dem Müggelsee.

Eingeladen sind dazu auch die Teilnehmer des 17. Bundeskongresses der Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der zu dieser Zeit in Berlin stattfindet. Sie haben für diesen Tag eine Dampferfahrt über den Müggelsee organisiert, mit der an den legendären Ausflug der Berliner Bauarbeiter vor 60 Jahren erinnert werden soll.

Bekannt geworden war die Geschichte von der Streikvorbereitung in "Rübezahl" durch den Historiker Stefan Wolle. Der hatte für eine geplante Ausstellung zum Jahrestag des Arbeiteraufstands nach Zeitzeugen gesucht und dafür auch im Museum Köpenick nachgefragt. Nach einem Gespräch mit dem Historiker hatte die Berliner Woche im September 2012 einen entsprechenden Aufruf veröffentlicht. Leider blieb das ohne Erfolg.

"Stasiprotokolle vermerken, dass in Rübezahl zum ersten Mal das Wort Streik fiel. Am Montag, dem 15. Juni, machten sie ihre Ankündigung wahr und legten auf der Baustelle am Krankenhaus Friedrichshain Maurerkelle und Steine beiseite", berichtet Historiker Wolle.

"Wir halten im Bezirk die Erinnerung an die mutigen Kämpfer vom 17. Juni 1953 wach", verspricht Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel. Im Januar 2007 war bereits die Straße 244 in Wendenschloß nach Siegfried Berger (1918-2002) benannt worden. Berger war am 17. Juni 1953 Streikführer im Funkwerk Köpenick. Er büßte für sein Engagement mit einer mehrjährigen Haft in der Sowjetunion.

Der Gedenkstein zum Arbeiteraufstand wurde von Mitgliedern des Heimatvereins Köpenick in einem Steinbruch bei Löwenberg ausgesucht, die Tafel wurde in der Bildgießerei Seiler in Schöneiche gefertigt. Das Technische Hilfswerk Treptow-Köpenick hat die Aufstellung des Steins mit seiner Technik übernommen. Die Kosten für Tafel und Stein trägt der Bezirk.


Ralf Drescher / RD
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