SG Hermsdorf-Waidmannslust hat nicht genug qualifizierte Trainer

Die A-Junioren der SG (blau) - hier gegen die SG OSC-Schöneberg-Friedenau am 10. November - sind mit dem Ziel Klassenerhalt in die Saison gestartet. (Foto: Nittel)

Reinickendorf. Die SG Hermsdorf-Waidmannslust gehört zu den führenden Klubs im Berliner Nachwuchshandball: Mit 28 Mannschaften, die am Spielbetrieb teilnehmen, ist er in allen Altersklassen und sowohl bei der weiblichen als auch bei der männlichen Jugend vertreten. Der Klub hat jedoch ein großes Problem: Ihm fehlen qualifizierte Trainer.

"In der letzten Saison waren wir die Einzigen in ganz Berlin, die in allen Altersklassen mit mindestens einem Team am Spielbetrieb teilgenommen haben", sagt die stellvertretende Abteilungsleiterin der SG, Bettina Strohscheer-Mies, und freut sich. Allerdings muss aufgrund des Trainer-Mangels ein Coach gleich mehrere Teams trainieren. Immer mehr Menschen müssten immer mehr Jobs annehmen, um finanziell über die Runde zu kommen, sodass immer weniger Zeit für eine ehrenamtliche Tätigkeit bleibt, meint Bettina Strohscheer-Mies: "Junge qualifizierte Trainer verlassen wegen eines Studiums Berlin. Und die Jüngeren gehen mitunter bis zum späten Nachmittag in die Schule, sodass für sämtliche Freizeitaktivitäten, geschweige denn Trainerfortbildungen immer weniger Zeit bleibt." Trotz dieser Situation gibt es bei der SG aber keinen Aufnahmestopp. "Wir schicken niemanden nach Hause. Wer bei uns Handball spielen möchte, kann dies ohne Wenn und Aber tun", betont die stellvertretende Abteilungsleiterin. Auch der sportliche Erfolg kann sich sehen lassen: In allen Altersbereichen, mit Ausnahme der männlichen D-Jugend, spielen die ersten Mannschaften der SG in der Verbandsliga - der bis zu den C-Junioren jeweils höchstmöglichen Spielklasse.Das Aushängeschild im Nachwuchsbereich sind die männlichen A-Junioren, die in diesem Jahr in der Ostsee-Spreeliga antreten. Darüber kommt dann nur noch die Jugend-Bundesliga. Das Saisonziel der von Matthias Leintz trainierten Truppe, ist der Klassenerhalt.

Auch die Frauen der SG spielen mittlerweile in der Ostsee-Spreeliga und belegen dort zurzeit einen der Spitzenplätze. Damit hat die SG es geschafft, dass nach Jahren einer sehr guten, hoch gelobten und oft ausgezeichneten Nachwuchsarbeit der eigene Erwachsenenbereich davon profitiert. "Natürlich freuen wir uns, wenn eine von uns ausgebildete Spielerin oder einer der Jungs den Sprung zu den Füchsen oder einem anderen höherklassigen Klub schafft", sagt Bettina Strohscheer-Mies. Doch letztlich bilde der Klub die Spieler aus, um dann selbst im Erwachsenenbereich davon was zu haben. Ohnehin seien die Zeiten, in denen jeder Berliner Klub sein eigenes Süppchen kochte, vorbei. Die SG ist längst eine Kooperation mit den Füchsen eingegangen - auch, um die Kräfte im Norden zu bündeln. Letztlich profitieren davon beide: "Wenn sich jemand als talentiert herauskristallisiert, legen wir ihm keine Steine in den Weg. Dann muss er wechseln", sagt Bettina Strohscheer-Mies. Wenn es ein Spieler bei den Füchsen aber nicht schafft, dann wechselt dieser in der Regel zu einem Kooperationspartner, also eventuell zur SG, oder wieder zu seinem Heimatverein zurück. "Heutzutage ist das Verhältnis der meisten Berliner Handballklubs ein Mit- und kein Gegeneinander mehr."


Michael Nittel / min
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