Geschichte der Produzentengalerie Großgörschen 35

Mit dem "Malerfürsten" Markus Lüpertz als Gast der Ausstellungseröffnung setzten die Kommunale Galerie und die Kunststiftung Poll ein Glanzlicht. (Foto: KEN)

Schöneberg. "Kaum Gemeinsamkeiten, viele Missverständnisse, einige gute Bilder: So fasst der Kunstförderer Lothar C. Poll das Phänomen "Großgörschen 35" zusammen.

Trotzdem habe Deutschlands erste Nachkriegsproduzenten- und Selbsthilfegalerie ein Kapitel deutscher Kunstgeschichte aufgeschlagen, das bis heute fortwirke, sagt die Leiterin der Kommunalen Galerie, Barbara Esch Marowski. Mit einem Ansturm Kunstbegeisterter wurde vor Pfingsten die Ausstellung "Großgörschen 35. Aufbruch zur Kunststadt Berlin 1964" eröffnet. Das mag wohl an dem prominentesten Gast des Abends gelegen haben: Markus Lüpertz. Er zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlern der Gegenwart. Seine Anfänge liegen in der Künstlergalerie im Hinterhof der Schöneberger Straße. Absolventen der Kunsthochschulen in West-Berlin der Jahrgänge 1936 bis 1943 hatten 1964 Gewerberäume angemietet. Ihre Galerie benannten sie einfach nach dieser Adresse.

Anfang der 1960er Jahre gab es in der geteilten Stadt keine Kunsthalle, keinen Kunstverein und keine nennenswerte Galerieszene. Ziel der Jungkünstler war also eine "Notgemeinschaft" auf Zeit, wie es der Kunstkritiker Heinz Ohff damals formulierte. Sie sollte als Sprungbrett dienen, sich einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Die erste Vernissage fand am 16. Juni 1964 statt. Gezeigt wurden Arbeiten von Karl Horst Hödicke, der später zu einem der wichtigsten Anreger für die Neuen Wilden wurde. Der sei damals schon ein "Star" gewesen, erinnert sich Markus Lüpertz. "Er hatte schon Erfolge vorzuweisen."

Doch bereits 18 Monate später kam es zu ersten Ab- und Aufspaltungen, zur Sezession. Die Künstlergenossenschaft bestand bis 1968. Er habe einer "einmaligen Zeit" angehören dürfen, sagt Markus Lüpertz. "Selten mochten sich so viele Maler. Und selten ging es wirklich nur um die Malerei. Erfolg war der Respekt der Kollegen."

Eine ähnliche Rolle wie "Großgörschen 35" misst Barbara Esch Marowski der Arbeit der Kommunalen Galerie bei: professionell arbeitenden Künstlern den Einstieg in den Kunstmarkt zu ermöglichen, "ihnen Raum und damit Öffentlichkeit zu geben", so die Galerieleiterin. Das Besondere an dieser Basisarbeit sei, dass die ausstellenden Kunstschaffenden zu ihren Gunsten verkaufen könnten und nicht den kommerziellen Zwängen des Marktes unterliegen. Darüber hinaus ermögliche die Kommunale Galerie allen Bürgern einen leichten Zugang zu Kultur, die auch unbequem sein dürfe.

Im Zentrum der Ausstellung zum 50. Jubiläum stehen Werke der Gründungsmitglieder aus den Jahren 1964 und 1965: Ulrich Baehr, Hans-Jürgen Burggaller, Hans-Jürgen Diehl, Leiv Warren Donnan, Hans-Georg Dornhege, Eduard Franoszek, K.H. Hödicke, Franz Rudolf Knubel, Reinhard Lange, Markus Lüpertz, Dieter Opper, Wolfgang, Petrick, Peter Sorge, Arnulf Spengler, Lambert Maria Wintersberger und Jürgen Zeller. Und als Gäste werden gezeigt: Edwin Dickman, Eberhard Franke und Bernd Koberling.

"Großgörschen 35. Aufbruch zur Kunststadt Berlin 1964": bis 10. August; Haus am Kleistpark, Grunewaldstraße 6-7, Dienstag bis Sonntag 10 bis 19 Uhr; Eintritt frei.

Karen Noetzel / KEN
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