Wohnungslosen-Tagesstätte findet neue Räume in der Gustav-Freytag-Straße

Christian Nawrath und seine Kollegen helfen Wohnungslosen unter anderem mit der Kleiderkammer. (Foto: Liptau)

Schöneberg. Entwarnung in der Wohnungslosentagesstätte des Unionhilfswerks: Nachdem deren Räume in der Hohenstaufenstraße 2012 nach über zwei Jahrzehnten gekündigt wurden, sah die Zukunft für die Einrichtung dunkel aus. Nun ist eine Lösung gefunden.

"Wenn man durch dieses soziale Netz fällt, existiert häufig auch kein anderes mehr", unterstreicht Christian Nawrath die Bedeutung der Wohnungslosentagesstätte, die er leitet. Seit 1990 unterhält das Unionhilfswerk diese Einrichtung, in der wohnungslose Menschen an fünf Tagen die Woche etwas zu essen oder zu trinken bekommen, die Duschen benutzen können und sich in der Kleiderkammer all das aussuchen, was das Leben ohne Dach über dem Kopf erfordert: Schuhe, Pullover, Hosen und vor allem dicke Jacken. Einige kämen nur "auf der Durchreise", für kurze Zeit vorbei, andere suchen die Räumlichkeiten regelmäßig über Monate und Jahre auf. "Wir stehen den Menschen hier auch mit Beratungsangeboten zur Seite", erklärt Nawrath. Die Sozialarbeiter vor Ort kümmern sich dabei um konkrete Fragen und Probleme, indem sie beispielsweise über rechtliche Fragen und Ansprüche informieren, Adressen heraussuchen oder an andere Hilfseinrichtungen weiter vermitteln. Bei der psychosozialen Beratung gehe es allerdings oft auch um abstraktere Themen wie Einsamkeit oder die Sorge um Familienmitglieder. Dabei soll alles ganz niedrigschwellig bleiben: "Wir nehmen unsere Besucher nicht gleich beim ersten Besuch in Beschlag mit unseren Angeboten", sagt Nawrath. Vielmehr entstehe das für solche Gespräche notwendige Vertrauen erst mit der Zeit. "Auch, weil wir oft erst einmal glaubhaft machen müssen, dass wir der Schweigepflicht unterliegen und die Informationen nicht an andere Stellen weitergegeben werden."

Umso wichtiger sei es deshalb gewesen, im vergangenen Jahr dafür zu sorgen, dass das Angebot auch künftig noch weitgehend im gleichen Kiez bestehen bleibt. Nachdem der Vermieter in der Hohenstaufenstraße 22 die Miete erst erhöhen wollte und der Tagesstätte im Sommer schließlich kündigte, stand die Zukunft einige Wochen in den Sternen. "Wir haben schließlich mit dem Vermieter verhandelt und erreicht, dass wir zumindest einige Räume noch bis in den Frühling nutzen können", so der Einrichtungsleiter. Gleichzeitig sei man auf die Suche nach einer neuen Unterkunft gegangen. Der Hinweis einer Besucherin hat schließlich zum Erfolg geführt, sie hatte auf ein leeres Ladenlokal in der Gustav-Freytag-Straße 1 verwiesen. Nachdem auch das Bezirksamt als maßgeblicher Geldgeber grünes Licht gab, konnte der Vertrag kürzlich unterzeichnet werden. "Wir werden die Umbauten und den Umzug hoffentlich bis Ende März schaffen", freut sich Nawrath jetzt. Ostern werde vielleicht schon in den neuen Räumen gefeiert. "Und wir hoffen, dass möglichst viele unserer Stammgäste auch zur neuen Adresse kommen." Obwohl, so die Einschränkung, die beste Lösung natürlich immer die sei, dass die Wohnungslosen das Angebot gar nicht mehr brauchen.

Informationen zur Tagesstätte und zu Möglichkeiten der Unterstützung unter 211 79 56 und www.unionhilfswerk.de

Ralf Liptau / flip
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