Keine Vierbeiner mehr auf dem Preußenhof

An die vielen Pferde erinnern nur noch Pokale aus gewonnenen Turnieren: Inga Snelsire (M.) mit ihren Helferinnen Sabine Meinke (l.) und Tina Kube. (Foto: Schindler)

Staaken. Mit dem Hofverkauf am 26. April von 9 bis 15 Uhr endet die Geschichte des Preußenhofs an der Staakener Straße 64. Gewerbliche Pferde- und Hundehaltung wird es an dem Standort nicht mehr geben.

An Sonnabend steht das Zubehör zum Verkauf. Schon Ende März waren die gewerblich gehaltenen Tiere nicht mehr auf dem Hof, das Veterinäramt hatte Betreiberin Inga Snelsire die gewerbliche Tierhaltung untersagt. Vorausgegangen war der Entscheidung eine jahrelange Auseinandersetzung darüber, ob die Tiere artgerecht gehalten würden oder nicht. Zuletzt waren dort 36 Pferde untergebracht, bis Ende vergangenen Jahres zudem eine Hundepension für bis zu 18 Tiere.

Der für das Veterinäramt zuständige Stadtrat Stephan Machulik (SPD) erklärt, dass es immer wieder zu Beanstandungen gekommen sei, und die Betreiberin Auflagen nicht erfüllt habe. Zudem seien mehr Tiere als zulässig auf dem 6500 Quadratmeter großen Gelände gewesen. Inga Snelsire sieht das anders: "Es wurden immer wieder neue Auflagen gemacht", sagt sie. Zudem habe das Amt nicht von seinem Ermessensspielraum Gebrauch gemacht. "Bei der Größe der Pferdeboxen ging es um Zentimeter", berichtet sie.

Der Streit kam schließlich vor Gericht. "Das Verwaltungsgericht hat dem Hof sogar Recht gegeben", sagt Tina Kube, eine der Mütter, deren Kinder regelmäßig auf dem Hof ritten, und die die Betreiberin unterstützen. Allerdings legte das Bezirksamt Beschwerde ein, und das Oberverwaltungsgericht entschied differenziert: "Bei der Pferdehaltung gab es einen Vergleich, die Hundepension musste allerdings schließen", sagt Kube.

Doch mit einem dummen Zufall kam es noch schlimmer: "Auch wenn sich das komisch anhört. Das Urteil hat uns nicht erreicht", so Tina Kube weiter. Inga Snelsire habe zu spät erfahren, dass die Richter bei der Hundepension der Ansicht des Bezirksamtes folgten. Als dann im März vom Veterinäramt ein Hund auf dem Hof angetroffen wurde, den Snelsire privat in Pflege genommen habe, verhängte das Veterinäramt wegen "Unzuverlässigkeit" ein generelles gewerbliches Tierhaltungsverbot. Das galt auch für die Pferde. Damit dürfte auch der 1. Berliner Kleinpferdeverein am Ende sein, dessen Vorsitzende Inga Snelsire ist.

Auch wenn der Preußenhof jetzt keine Zukunft mehr hat, wollen Snelsire und ihre Mitstreiter in einer Hinsicht nicht aufgeben: In die Equidenpässe, quasi die Personalpapiere der Pferde, hatte das Veterinäramt eintragen lassen, dass diese Tiere nicht zur Schlachtung zugelassen seien. Das minderte ihren Wert beim Verkauf, weil eine Einschläferung sehr teuer ist. Begründet hat das Amt dies mit dem fehlenden Medikamentenbuch auf dem Hof. Laut Inga Snelsire sei dieses aber auch nicht nötig, da mit Ausnahme von drei Tieren alle Pferde auf dem Hof geboren und regelmäßig von Tierärzten versorgt worden seien. Diese Angelegenheit lässt sie jetzt von einem Anwalt prüfen.


Christian Schindler / CS
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