Der Schaugarten von Ina Hünich gedeiht prächtig
Wo der Klatschmohn blüht

Mit viel Fleiß und Spucke hat Ina Hünich den Schaugarten aus dem Boden gestampft.
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Ein Paradies für Bienen, Vögel und Eichhörnchen liegt mitten im Wohngebiet an der Südekumzeile. Ina Hünich hat es buchstäblich aus dem Sandboden gestampft. Mit viel Fleiß und Spucke. Inzwischen ist der Schaugarten ihr Lieblingsplatz in Spandau.

Blaue Kornblumen stehen voll im Saft. Der Klatschmohn ist so rot, da wird selbst die Feuerwehr neidisch. Und auch das seltene Echte Herzgespann blüht prächtig. Psst! Gerade ist ein neuer Bewohner im Anflug. Sanft landet die Erdhummel und hat schnell einen passenden Unterschlupf gefunden.

Zwischen Hochhäusern und Parkhaus liegt an der Südekumzeile ein kleines Paradies. Auf einer Blumenwiese wachsen unzählige Pflanzen, die Wildbienen mit Pollen und Nektar versorgen. Eichhörnchen hüpfen im Schatten der Bäume von Futterplatz zu Futterplatz. Nachts singt die Nachtigall, frühmorgens die Kohlmeise. Aber auch der Erlenzeisig, Stieglitz, Kleiber, Gimpel, Kernbeißer und das Rotkehlchen sind im Schaugarten von Ina Hünich zu Hause.

Distel und Glockenblume
statt Hundekot

Das war nicht immer so. Vor einem Jahr noch kackten Hunde auf der überpflegten und vertrockneten Wiese an der Südekumzeile Ecke Haberlandweg. Bis Ina Hünich auf die Idee kam, daraus ein bienenfreundliches Biotop zu machen. „Das nicht nach Hundepipi stinkt, sondern nach Lavendel duftet“, sagt Hünich. „Außerdem ist so eine Blumenwiese viel bunter, und die heimische Tierwelt freut sich.“ Gesagt, getan. Die Anwohnerin fragte bei der WBM nach, der das Grundstück gehört. Die sagten sofort zu. Mitte Mai 2018 war die Nutzung vereinbart, und Ina Hünich konnte loslegen. Gemeinsam mit einem Freund besorgte die Produktfotografin die ersten Pflanzen wie Wildrosen, Distel, Schafgarbe, Phlox oder Glockenblumen. Mit der Aussaat von Lupinen und Phacelien warteten beide auf kühlere Tage. Ein Gartenwasseranschluss wurde gelegt, ein Schlauch nebst Sprenger gekauft. Die WBM finanzierte den Koppelzaun, und eine Nachbarin spendete Sonnenblumen.

Überraschend gedieh alles sehr schnell. Heute wachsen auf der (Wild)Blumenwiese auch Lichtnelken, Lavendel, Duftsteinrich, wildes Johanniskraut, Buschmalve, Raps und viele andere Pflanzen. Dazu hat Ina Hünich, die auch gelernte Gärtnerin ist, einen Lehrpfad mit Infotafeln entlang der Wiese angelegt, der Nachbarn aufklärt und Hobbygärtnern Tipps gibt. An den Bäumen hängen fünf Nistkästen, zwei Futterboxen für die Eichhörnchen, und es gibt zwei große Vogelfutterplätze. „Erst kürzlich hat eine Starfamilie hier ihre Jungen groß gezogen“, erzählt die 42-Jährige. An der Ecke Haberlandweg steht jetzt ein „Kinder-Garten“ mit zwei Hochbeeten, und ein Insektenhotel ist im Aufbau. „Wenn uns jemand dabei helfen könnte, wäre das schön“, sagt Ina Hünich. Schließlich sei der Garten für alle da im Kiez. „Jeder kann vorbeikommen, innehalten und ein Stück Natur genießen.“ Und vor allem sehen, wie alles ohne großen Aufwand fast von alleine wächst, dass man nicht jede Wiese totmähen muss, und Laub auch mal liegenlassen kann.

Diebe schlugen zu

Die meisten Nachbarn sind von dem Projekt begeistert, andere interessiert es weniger. „Aber das ist okay“, sagt Hünich. Sehr geärgert hat sie sich allerdings über den Diebstahl von Rosen und der Wasseranlage. „Das ist respektlos, so was macht man nicht.“ Zumal sie mit dem Schaugarten in diesem Jahr den Nabu-Wettbewerb „Gönn dir Garten“ gewonnen hat. „Der Garten bedeutet mir viel, und er ist mein Lieblingsplatz“, sagt Ina Hünich. Morgens und abends gießt sie die Blumen, zupft Gräser, sät aus, schaut nach dem Rechten. Damit der Garten bleibt, was er ist. Ein grünes Paradies.

Wer mehr wissen will, schaut auf www.wildbienenberlin.de vorbei. Klappe auf, Nuss raus: Die Eichhörnchen haben das schnell kapiert.

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