Mieterbeirat im Kiez, die unbemerkte Chance

Seit Sommer 2014 gibt es ihn nun wieder, den Mieterbeirat für die Mieter der Gewobag im Siedlungsgebiet Heerstrasse Nord.
Bereits Ende der Siebziger sollte ein eigens gewählter Mieterbeirat den Mietern der Gewobag den Umgang im Verhältnis Vermieter-Mieter erleichtern. Doch leider konnte er sich damals nicht lange einarbeiten, da die Fluktuation innerhalb dieses Organs zu groß war. Damit war der Mieterbeirat in der Obstallee schnell wieder Geschichte, bevor er von vielen richtig wahrgenommen werden konnte.
Lange Zeit ging es dann auch ganz gut ohne, doch die bekannte negative Entwicklung in diesem Wohngebiet, wesentlich auch verursacht durch die Einführung der sogenannten Fehlbelegungsabgabe. Besserverdiener gaben ihre Wohnungen auf und erwarben Eigentum oder zogen in frei finanzierte Wohnungen. Die sich in der Folge stark verändernde Bewohnerstruktur ließ schnell wieder den Wunsch nach einer Mietervertretung aufkommen. Nunmehr will ihn auch die Politik und hat den Mieterbeirat den städtischen Wohnungsbaugesellschaften verordnet.
In der Folge kam es dann dazu, dass für die Haushalte der Gewobag innerhalb dieser Siedlung ein Beirat gewählt konnte. Leider zeigte die Wahl aber schon, dass das Interesse daran vermutlich doch nicht sehr groß war, die doch aus meiner Sicht geringe Wahlbeteiligung lässt diesen Schluss zu. Aber nicht nur die Wahlbeteiligung stimmte nachdenklich, auch die Anzahl ernsthafter Kandidaten hätte deutlich besser sein sollen. Egal wie, am Ende konnte dann ein frisch gewählter Mieterbeirat im Oktober 2014 seine erste turnusmäßige Mietersprechstunde in den Gemeinschaftsräumen, Blasewitzer Ring 28, abhalten.
Nunmehr, etliche Sprechstunden später, sehen auch wir schon ein wenig klarer und können erkennen, wo es im Kiez klemmt:

Viele kümmern sich um viele Probleme im Kiez,

allerdings meist von den Bewohnern unbemerkt. Erst durch meine Beiratstätigkeit habe ich erfahren, was und wen es hier in meinem Wohnumfeld alles so gibt und was sie alles so Gutes tun. Seit 1976 wohne ich in der Obstallee und habe nicht erklären können, was das Quartiersmanagement macht. Ich wusste auch nichts mit „Quartiersrat“, „Pi 8“ und „Gemischtes“ anzufangen. Lediglich von der Arbeit des „Gemeinwesenzentrums“ hatte ich so eine vage Vorstellung. Eigentlich müsste mir das schon ein wenig peinlich sein, aber ich weiß, auch vielen anderen Bewohnern geht das ebenso. Ich meine, die Öffentlichkeitsarbeit hat noch Luft nach oben!

Viele kümmern sich um viele Probleme im Kiez,

allerdings scheinen die unterschiedlichen Tätigkeiten wenig koordiniert. Wie viele Angebote und Veranstaltungen unser kleines Quartier wirklich anzubieten hat, das erfährt man nur mit „Insiderwissen“. Ich weiß jetzt, dass es die Webseite http://www.staaken.info/ gibt. Wer die Infos abonniert, der bekommt erst richtig mit, was in unserem Kiez wirklich alles angeboten wird, beinahe schon zu viel! Allerdings wird auch schnell deutlich, hier fehlt ein wenig Koordination, auch hier scheint noch Luft nach oben!
Das Nachbarschaftsverhältnis: Das Hauptproblem in der Heerstrasse Nord aber scheint in der Anonymität der Bewohner zu liegen. Nachbarschaftliches Verhältnis, wie soll man das erreichen? Egal welcher Nationalität oder welchen Glaubens, für ein kleines „Schwätzchen“ im Fahrstuhl oder im Hausflur ist immer Zeit und Gelegenheit. So könnte man einen ausländischen Neumieter einfach mal ansprechen und fragen, ob er jetzt in der Wohnung im xten Stock wohne. Die Angesprochenen sind selbst mit schlechten Deutschkenntnissen immer in der Lage zu antworten, und schon ist der erste Schritt getan. In meinem Wohnhaus nimmt jeder Mieter für jeden anderen Mieter die Pakete entgegen, und bei uns wohnen nicht nur Deutsche. Auf diesem Gebiet lässt sich noch sehr viel machen, und da wollen wir als Mieterbeirat mittun.
Was benötigen wir dafür? Viel Geduld, denn die Förderung nachbarschaftlicher Verhältnisse ist sicherlich Langzeitarbeit, schnelle Ergebnisse sind da nicht zu erwarten. Viel mehr aber benötigen wir als Mieterbeirat zumindest die Wahrnehmung der Kiez-Bewohner, wir sind als Mieterbeirat und Mitbewohner da und arbeiten für eine Wohnumfeldverbesserung. Wer hier immer nur argumentiert „das bringt sowieso nichts“ der hat schon aufgegeben, also verloren!
Am Ende noch ein kleiner Hinweis: Unsere Mietersprechstunde führen wir jeden 3. Mittwoch im Monat, von 15:00 -17:00 Uhr, Blasewitzer Ring 28, durch. Wenn Sie uns dort einfach einmal besuchen, würden wir uns freuen, und einen Kaffee oder ein Kaltgetränk gibt es auch noch.

Eckart Keller
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Marcel Eupen aus Falkenhagener Feld | 25.04.2016 | 09:58  
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