Buch zum 175. Firmen-Jubiläum erschienen

Auf dem heutigen Borsiggelände an der Egellsstraße erinnert eine Büste an den Firmengründer. (Foto: Christian Schindler)
 
Der Borsigturm dominiert noch heute das Borsiggelände. Wo einst Lokomotiven gefertigt wurden, sollen die Besucher heute einkaufen. (Foto: Christian Schindler)

Tegel. Der Bezirk Reinickendorf wurde durch die Borsigwerke einst zu einem der wichtigsten Industriestandorte Berlins. Zum 175-jährigen Bestehen der Firma Borsig ist im Verlag Hanseatischer Merkur ein Buch über die Unternehmensgeschichte erschienen. Außerdem gibt es zum Jubiläum eine Ausstellung im Rathaus.

Es war ein kurzes Leben, das August Borsig vergönnt war. Doch der Begründer und Namensgeber des Unternehmens, das wie kaum ein anderes für die Industrialisierung im 19. Jahrhundert und die Globalisierung im 21. Jahrhundert steht, hat sehr intensiv gelebt. 1804 als Sohn eines Zimmermanns in Breslau geboren, ging August Borsig beim Meister seines Vaters in die Lehre. 1823 brachte ihn ein Stipendium ans Königlich-Preußische Gewerbeinstitut in Berlin. Das leitete Christian Peter Wilhelm Beuth, der sich um den Aufbau der preußischen Industrie kümmerte. Doch dort gab es für den zupackenden Borsig vielleicht zu viel Theorie. Nicht einmal zwei Jahre hielt es der junge Mann dort aus, der das Gewerbeinstitut schließlich ohne Abschluss verließ. Er wurde Volontär beim Maschinenbaupionier Franz Anton Egells, den er offenbar sehr beeindruckte. Schon mit 27 Jahren wurde Borsig Betriebsleiter der Gießerei.

Mit 8000 Talern Eigenkapital, die ihm die Umsatzbeteiligung bei Egells eingebracht hatte, und der Hilfe mehrerer Finanziers rückte Borsig 1837 zu den Herren von "Feuerland" auf, so nannten die Berliner die Fabriken an der Chausseestraße vor dem Oranienburger Tor im heutigen Stadtteil Mitte. Dort rauchten die Schornsteine, dort dampfte und zischte es, und das Feuer in den Produktionshallen erhellte die Nächte.

Die Eisenbahn sollte Borsigs Schicksal werden. Nur vier Jahre nach dem berühmten ersten Guss vom 22. Juli 1837, dem offiziellen Gründungsdatum des Unternehmens, trat die erste Lokomotive aus Borsigs Unternehmen ihre Jungfernfahrt an. Die "Borsig 1" schrieb 1843 noch einmal Geschichte. In einer Wettfahrt mit einer Lok des englischen Konkurrenten Stephenson von Berlin nach Jüterbog war sie auf der 68 Kilometer langen Strecke 20 Minuten schneller - peinlich für den englischen Marktführer. Und das, obwohl es an der "Borsig 1" noch einen Sabotageakt gegeben haben soll.

Borsig erprobte ständig Verbesserungen an den Lokomotiven, meldete immer wieder Patente an. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte das Unternehmen 5000 Lokomotiven verkauft. Das hat August Borsig nicht mehr erlebt. Er starb am 6. Juli 1854 im Alter von 50 Jahren an einem Schlaganfall. Seinem einzigen Sohn Albert hinterließ er ein Unternehmen, das mit seinen Produkten Furore machte und seine Arbeiter überdurchschnittlich gut bezahlte. Lange vor der Bismarckschen Sozialgesetzgebung führte er eine Krankenkasse ein, in die Unternehmer wie Arbeiter einzahlten.

Seine Nachfolger hinterließen weitere Spuren, die noch heute sichtbar sind. Erst in diesem Jahr machte Reinickendorf Borsigwalde zu seinem elften Ortsteil, zur vorletzten Jahrhundertwende hatte man in Tegel expandiert. Eine neue Siedlung mit kleinen Häusern mit Gärten entstand für Arbeiter und Angestellte. 1922 wurde der Grundstein gelegt für Berlins erstes Hochhaus, das Eugen Schmohl plante und 65 Meter in den Berliner Himmel wachsen ließ. Es steht noch heute in Tegel und schaut auf die Hallen am Borsigturm. Wo einst Lokomotiven gefertigt wurden, sollen die Besucher heute einkaufen. Und vom nicht weit entfernten Borsighafen werden wieder riesige Anlagen in alle Welt verschifft.

Zum 175-jährigen Jubiläum von Borsig ist im Verlag Hanseatischer Merkur, Hamburg, die von Sven Tode, Sandra Engel und Beate John herausgegebene Firmenbiographie "175 Jahre Borsig - Technik für eine Welt im Wandel 1837-2012" erschienen. Sie bietet auf 200 Seiten zahlreiche Abbildungen und kostet 29,90 Euro (ISBN 978-3-922857-54-9).

Das Firmenjubiläum wird zudem in der Südhalle des Rathauses am Eichborndamm 215-239 mit einer Ausstellung gewürdigt. Dargestellt wird vom 5. bis 28. Dezember die Geschichte des Unternehmens. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Christian Schindler / CS
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