Ralph Siegel und Hans Dieter Schreeb präsentieren Musical über den Graf und seinen Zeppelin

Graf Zeppelin und seine Erfindung, das Luftschiff, als Illustration des Werbeplakats. (Foto: Gallissas Verlag)
Berlin: Wintergarten Varieté |

Tiergarten. Sternstunde im „Wintergarten“: Das Varietétheater präsentierte das Musical „Zeppelin“.

Das Musiktheaterstück von Ralph Siegel und Hans Dieter Schreeb handelt vom Leben des luftfahrtbegeisterten Grafen Ferdinand von Zeppelin (1838-1917) und auf einer zweiten Zeitebene vom Drama der LZ 129, der „Hindenburg“, die am 6. Mai 1937 bei der Landung in Lakehurst zerstört wurde, als sich die Wasserstofffüllung entzündete. 35 Menschen an Bord und ein Mitglied der Bodenmannschaft kamen bei der Katastrophe ums Leben. Mit ihr endete die Luftschifffahrt.

Präsentiert wurde das Musical als szenische Lesung. Die Bühne stand voller Pulte und Mikrofone. Die singenden Schauspieler und schauspielernden Sänger, alle in Schwarz gekleidet, lasen ihre Texte und Noten vom Blatt. Erzähler war der Schauspieler Gedeon Burkhard. Trotz einer gewissen Steifheit, die dieser Form der Darbietung innewohnte, riss „Zeppelin“ unter der musikalischen Leitung von Carsten Gerlitz mit. Da waren die eingängigen Lieder, die von guten Stimmen gesungen wurden, da war die wachsende Begeisterung des Ensembles am Theaterspielen.

Zwei Erzählstränge laufen durch das gut zweistündige Musical. Munter wird zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert hin- und hergewechselt. Damit der Zuschauer nicht die Orientierung verliert, werden Einspieler auf eine große Leinwand im Bühnenhintergrund geworfen. Das Publikum erlebt den „Herrn der fliegenden Zigarren“ als aufgeweckten Zehnjährigen, als Schüler der württembergischen Kriegsschule, als Gesandten des Königs Karl und als Beobachter und Mitkämpfer im amerikanischen Bürgerkrieg, als Erfinder des Luftschiffs und seines Einsatzes bis zum Ersten Weltkrieg.

Es verfolgt die letzte Fahrt der „Hindenburg“ und bekommt ein wenig angelehnt an den Katastrophenfilm von Robert Wise aus dem Jahr 1975 allerhand Nazi- und Liebeskitsch serviert. Dabei nimmt es das Musikstück nicht allzu ernst mit der historischen Genauigkeit, wenn der Obernazi Dr. Grivius von der „Ostmark“, dem vormaligen Österreich, spricht, das erst nach dem „Anschluss“ 1938 so hieß, oder vom „Judenstern“, der im Deutschen Reich erst 1941 obligatorisch wurde.

Mit „Zeppelin“ hat sich der 71 Jahre alte „Mr Grand Prix“ Ralph Siegel einen Traum erfüllt. Die Idee zum Musical „Zeppelin“ entstand 2016 bei einem Abendessen mit dem Gallissas Theaterverlag. Der im ehemaligen Tagesspiegel-Gebäude an der Potsdamer Straße residierende Verlag vertritt über 130 Musicals und 250 Theaterstücke in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die szenische Lesung von „Zeppelin“ im Wintergarten war Auftakt für ein kräftiges Werbetrommelrühren für das Musical. Es muss ein Produzent für eine vollständig durchchoreographierte, dramatische Version von „Zeppelin“ gefunden werden. 78 Produzenten aus der ganzen Welt waren bei der Lesung im Wintergarten anwesend. Vielleicht kehrt das Musical zurück nach Berlin. KEN
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