Bezirk und Senat wollen Musiktheater erhalten

ATZE-Leiter Thomas Sutter rechnet seit Juni fest mit einer Einigung und hat "vorläufig Entwarnung geben und die Onlinepetition geschlossen". (Foto: Dirk Jericho)

Wedding. Die SPD verschickt schon Jubelmeldungen, dass die Zukunft des ATZE Musiktheaters in der Luxemburger Straße 20 gesichert ist. Für die Grünen ist das wegen offener Finanzierungsfragen eine Falschmeldung.

Das ATZE hat Sommerpause bis September, doch die Politiker und Verantwortlichen in den Bezirks- und Senatsverwaltungen feilen weiter an vertraglichen Einzelheiten, wie der Übergang des Hauses ins Landeseigentum erfolgen soll. Wie berichtet, will das Bezirksamt den 2004 geschlossenen Zehnjahresmietvertrag zur kostenfreien Nutzung des einstigen Audimax der Beuth Hochschule nicht verlängern. Das Bezirksamt hat keinerlei Einnahmen, sondern hohe sechstellige Gebäudekosten jährlich für das markante Gebäude mit dem großen Max-Beckmann-Saal und der Studiobühne. Nach anfänglichen Querelen ist die Senatskulturverwaltung, die das Theater mit 690 000 Euro jährlich fördert, bereit, das Gebäude ins Landesvermögen zu übernehmen. "Wir sind kurz vor einer Lösung", sagte Kulturstadträtin Sabine Weißler (Grüne). Sie will den ATZE-Vertrag jetzt erstmal bis Ende 2014 verlängern. Die Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten soll ab Januar 2015 übernehmen, so der Plan.

Bis dahin müssen noch etliche verwaltungstechnische Details geklärt werden. So muss eine rechtssichere Konstruktion her, damit die 2,3 Millionen Euro Fördergelder, die in die Sanierung des ATZE-Theaters fließen, nicht zurückgezahlt werden müssen. Bis Ende 2014 werden die Stahlglasfassade erneuert und die Foyerdecken gedämmt. Derzeit wird das Betondach saniert.

Die Pressemeldung der SPD-Fraktion in der BVV, dass das ATZE gerettet ist und alles bereits in trockenen Tüchern sei, habe Fraktionschef Hans-Günter Mahr ohne Absprache mit ihm oder seinem Parteikollegen, Bürgermeister Christan Hanke, versendet, so Immobilienstadtrat Ulrich Davids (SPD). Er geht zwar auch von einer Einigung aus, "aber die Presseinfo ist zu früh", so Davids.

Mahr betont in der Jubelmeldung, dass das "Engagement der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Früchte getragen hat". Geärgert hat sich darüber die zuständige Kulturstadträtin. "Wir alle sind im konstruktiven Arbeitsmodus. Einige komplizierte Fragen sind aber noch nicht gelöst", so Sabine Weißler. "Wir brauchen jetzt keine Querschläger von außen", sagte die Grünen-Politikerin zur SPD-Pressemeldung.

Marc Urbatsch, Fraktionssprecher der Grünen in der BVV, warf der SPD vor, sich mit fremden Federn zu schmücken. "Erfolgsmeldungen, die zudem in der Sache unrichtig sind und die Verhandlungen gefährden, sind der verzweifelte Versuch aus einem schwierigen Verfahren parteipolitisches Kapital zu ziehen." so Urbatsch. Er betonte, dass die zukünftige Finanzierung des Theaters "keineswegs geklärt ist."

Das ATZE Musiktheater ist nach eigenen Angaben Deutschlands größtes Musiktheater für Kinder und hat 2012 mit 105 000 Zuschauern erstmals die Schallmauer von 100 000 pro Jahr durchbrochen. Es gibt 16 Produktionen pro Spielsaison und etwa 380 Vorstellungen im Großen Saal (480 Plätze) und in der Studiobühne (150 Plätze). Dazu kommen rund 50 Gastspiele in ganz Deutschland. Zum Ensemble gehören 35 freie Schauspieler und 19 freie Musiker; alle im Gegensatz zu den festangestellten Ensembles der Kinder- und Jugendtheater Grips-Theater und Theater an der Parkaue frei beschäftigt. Zum Ensemble kommen noch 19 festangestellte Mitarbeiter für Technik und Verwaltung und rund 15 Aushilfskräfte für Einlass, Garderobe und Cafeteria. Sie alle würden mit Schließung ihren Job verlieren.

Dirk Jericho / DJ
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