Gemeinsam ackern im Himmelbeet-Garten

Immer mehr Weddinger wollen ein Pachtbeet im Himmelbeet-Garten. (Foto: Dirk Jericho)

Wedding. Noch bis Ende Oktober ist der Himmelbeet-Garten in der Ruheplatzstraße 12 geöffnet. Im kommenden Frühjahr geht’s weiter im Stadtgarten.

Hannah Lisa Linsmaier ist ein wenig im Stress. Die Gründerin des Himmelbeet-Gartens und Chefin der gemeinnützigen GmbH wuselt zwischen den Hochbeeten umher, beantwortet zwischendurch immer wieder Fragen von neuen Interessenten, berichtet mit ihrer Geschäftspartnerin Anja Manzke vor den zahlreichen Besuchern des Erntedankfestes am 12. Oktober von der erfolgreichen ersten Gartensaison und den Zukunftsplänen und nimmt zum Schluss noch einen Spendenscheck über 7250 Euro von der Firma BioFrischeMarkt entgegen. Die selbstständige Kulturmanagerin hatte die Idee, einen Stadtgarten nach dem Vorbild des Prinzessinnengartens am Kreuzberger Moritzplatz, wo Nachbarn gemeinsam buddeln und sich näherkommen, auch in Wedding zu eröffnen.

Der Himmelbeet-Garten sollte eigentlich hoch oben blühen, in 22 Meter Höhe auf dem Dach des Schillerpark-Centers in der Müllerstraße. Das Parkdeck unter freiem Himmel steht leer, der Chef vom Real-Markt war von der zukünftigen Nutzung als Europas größten Dachgarten angetan. Doch als Linsmaier ihren Bauantrag einreichte, wich die Euphorie schnell der Ernüchterung. Für den Himmelbeet-Garten auf dem Kaufhaus sind umfangreiche Umbauten, vor allem aus brandschutztechnischen Gründen, nötig. Linsmaier hat das Projekt noch nicht aufgegeben, "aber der Eigentümer der Immobilie hat sich bisher bei uns nicht mehr gemeldet", so die Ökogärtnerin.

Wieder auf dem Boden der Tatsachen läuft das Himmelbeet-Projekt jetzt auf Erdniveau auf Hochtouren. Das Bezirksamt hat den Gartenfreunden ein 1700 Quadratmeter großes Grundstück auf dem ehemaligen Sportplatz in der Ruheplatzstraße 12 zur Verfügung gestellt. Der Vertrag läuft vorerst bis Ende 2015.

Seit Eröffnung am 16. Juni ist die Himmelbeet-Oase aus allen Nähten geplatzt. 70 Pächter bepflanzen hier derzeit 140 Pachtbeete. Wegen des Ansturms und der Wartelisten soll ab kommenden Jahr jeder nur noch ein Hochbeet (kostet 50 Euro pro Saison) bekommen.

Neben den Pachtbeeten gibt es einen Gemeinschaftsgarten. Die Ernte wird zu Biopreisen direkt im Garten verkauft. Einnahmen generiert die Himmelbeet GmbH auch aus dem Garten-Cafe. Dazu kommen Spenden und Fördergelder für Kurse zur Umweltbildung oder Gartenbauaufträge an Schulen und Kitas. Firmen können gegen Bezahlung ihre Mitarbeiter zum gemeinsamen Gärtnern in die Himmelbeet-Oase schicken. Teambuilding-Workshops nennt Linsmaier das. Fünf Mitstreitern kann die Gartenchefin schon "ein Mini-Honorar" zahlen, wie sie sagt. Im kommenden Jahr will Hannah Lisa Linsmaier die Kulturveranstaltungen ausbauen. In dieser Saison gab es schon Lesungen und Tangoabende zwischen den Beeten.

Alle Informationen zum Gemeinschaftsgarten unter himmelbeet.com.

Dirk Jericho / DJ
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