HeliView: Revolution in der Reisebuchung

Dem 38-jährigen Salim Sahi entwickelte HeliView, ein Reise- und Informationsportal. (Foto: Nittel)

Wedding. Salim Sahi steht auf der Dachterrasse seiner Wohnung und blickt auf Wedding - den Stadtteil, in dem er die meiste Zeit seines bisherigen Lebens verbracht hat. Der 38-Jährige ist dabei, die Reisebranche mit einem neuartigen Feature zu revolutionieren.

Die Idee dazu kam dem Gründer und Geschäftsführer des Technologieunternehmens Traffics mit Sitz in Mitte ausgerechnet in der Sauna. HeliView bietet allen Reiselustigen die Möglichkeit, sich schon jetzt ein sonniges und ruhiges Ziel für den Winterurlaub auszusuchen. Mit einem virtuellen Helikopter können zurzeit 6000 Hotels und rund 14 000 Kilometer Küstenstrände aus der Luft erkundet werden. Damit sollen dem Reisenden unliebsame Überraschungen wie Baustellen, stark befahrende Straßen oder Steilküsten statt Badestränden erspart bleiben, die in Hochglanzprospekten und Katalogen nicht zu finden sind. HeliView ist somit nicht nur ein Buchungs-, sondern vielmehr auch ein Informationssystem, das tolle Bilder aus aller Welt liefert. Möglich macht dies eine Kamera, die mit dem Joystick aus dem Helikopter heraus bedient wird, und eine Entwicklung des Fraunhofer Instituts, mit der Webinhalte wie Hotel-und Preisinformationen direkt im Video eingeblendet werden können. "Für unsere ersten Aufnahmen auf Gran Canaria hatten wir den Kameramann noch am Helikopter festgebunden. Die Qualität dieser Bilder war grausam", erinnert sich Sahi.

1992 war der damals 18-jährige in Pakistan geborene Sahi in die Reisebranche eingestiegen: Mit seinem Bruder Anwar und einem Faxgerät in der elterlichen Wohnung begann die Geschichte von Fax & Fly. "Man darf nicht vergessen, dass es damals noch kein E-Mail gab. Man war also gezwungen, ein Reisebüro aufzusuchen, wenn man einen Urlaub buchen wollte", erklärt Sahi. Zu einem Alptraum entwickelte sich dann beinahe sein erster Charterflug, bei dem das Catering fehlte. "Ich wusste, dass wir ohne Essen nicht fliegen würden, dass unser investiertes Geld komplett verloren wäre." Also machte sich Sahi trotz einer feucht-fröhlichen Nacht und wenig Schlaf auf den Weg nach Schönefeld, um in einem Fastfood-Restaurant in Flughafennähe am frühen Morgen 174 Menüs zu ordern.

Im Jahr 1998 folgte dennoch die Insolvenz, die für Sahi später in der Privatinsolvenz endete. "Die Geschichte meines Vaters hat mich damals angetrieben, nicht aufzugeben, auch diesen Rückschlag zu akzeptieren, immer weiter zu machen. Jetzt erst Recht." Sein Vater hatte in den siebziger Jahren Pakistan verlassen, um sich mit sieben Freunden zu Fuß auf den Weg nach Europa zu machen - nur zwei von ihnen waren lebend angekommen. Der Vater landete mit Unterstützung amerikanischer Alliierter in Rheinland-Pfalz und holte alsbald die Familie nach. Mit elf Jahren kam der kleine Sahi dann nach Berlin. "Wenn Du in einer 35 Quadratmeter großen Erdgeschosswohnung im vierten Hinterhof irgendwo im Wedding mit Deiner Familie lebst und aufwächst, dann bist du für das Leben, das auf dich wartet, gerüstet." Auch das tägliche Fußballspiel mit Freunden habe ihn vor Dummheiten bewahrt.

Mittlerweile hat seine Firma weltweit rund 100 Mitarbeiter. In HeliView hat er bis dato rund drei Millionen Euro investiert. Und es soll weitergehen: Bis Ende 2014 sollen alle relevanten Küsten, Strände und Hotels weltweit über HeliView zu betrachten sein, alle Filme permanent aktualisiert werden. Und wer weiß, welch innovative Ideen der Vater eines elf Monate alten Jungen demnächst haben wird, wenn er mal wieder in der Sauna sitzt.

Mehr zu HeliView, unter www.heliview.de.

Michael Nittel / min
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