Kulturausschuss setzt Verfahren in Gang

Der Rathausvorplatz bekommt einen Namen. Erste Vorschläge von Bürgern sind im BVV-Kulturausschuss schon eingegangen. (Foto: Dirk Jericho)

Wedding. Der Rathausvorplatz in der Müllerstraße soll einen Namen bekommen. Das hat der BVV-Ausschuss für Bildung und Kultur (BiKu) am 11. Dezember beschlossen.

Der namenlose Platz soll einen Namen bekommen, damit die neue Schillerbibliothek, die derzeit gebaut wird, eine Adresse hat, heißt es in der Begründung. Der BiKu-Antrag wird auf der Januarsitzung der BVV beschlossen. Es gibt bereits "unaufgeforderte Namensvorschläge von Bürgern", wie Vera Morgenstern (SPD), Vorsitzende der AG Geschichte, sagt. Nach Informationen der Berliner Woche ist unter den drei Vorschlägen auch einer vom Projekt Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel, den Platz nach einer afrikanischen Persönlichkeit zu benennen. Das an der Volkshochschule angesiedelte Projekt beschäftigt sich mit der Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus. Im vor über 100 Jahren angelegten Afrikanischen Viertel sind etliche Straßen nach früheren Kolonien oder Kolonialherren benannt. Seit Jahren gibt es Forderungen vor allem von Organisationen der Black Community, diese Straßen umzubenennen. Yonas Endrias, Koordinator des Lern- und Erinnerungsprojektes Afrikanisches Viertel, will seinen Namensvorschlag erst öffentlich machen, wenn der Benennungsantrag auch von der BVV beschlossen ist.

Die AG Geschichte will derzeit auch "keine Namen in die Welt setzen, weil das der Sache nicht guttut", so Vera Morgenstern. Im Bezirk gibt es seit Jahren einen Beschluss, bei Neu- oder Umbenennungen von Straßen und Plätzen vorrangig Frauennamen zu verwenden. Auf einer alphabetisch ohne Rankig beschlossenen Liste stehen 17 Namen.

Kulturstadträtin Sabine Weißler (Grüne) plädiert wie auch Vera Morgenstern für einen Namen, der wegen der Schillerbibliothek einen Bezug zu Bildung oder Literatur hat. Auf der Namensliste stehen mit Hedwig Lachmann (1865-1918) oder Lola Landau (1892-1990) auch zwei Schriftstellerinnen. Amelie Beer (1767-1854) würde nach dieser Prämisse als deutsch-jüdische Veranstalterin eines Literarischen Salons auch passen.

Die Namensliste ist jedoch kein Muss; in einem "beteiligungsorientierten Verfahren", das jetzt gestartet werden soll, können Anwohner oder Stadtteilinitiativen weitere Vorschläge machen, wie Vera Morgenstern sagt.

Auch ein Männername ist prinzipiell möglich. Die Argumente dafür müssten jedoch gewichtig sind, weil der Bezirk mit den Straßennamen Bernhard Weiß und Karl-Heinrich Ulrichs gerade erst Ausnahmen zugelassen habe, so Morgenstern. In einem elf Jahre alten BVV-Beschluss ist geregelt, dass Straßen- oder Plätzenamen einen "Bezug zur Stadt Berlin, insbesondere zum Stadtbezirk Mitte" haben müssen. Dass der Rathausvorplatz demnächst den Namen eines afrikanischen Widerstandskämpfers oder einer anderen afrikanischen Persönlichkeit trägt, hält Volker Hobrack, Bürgerdeputierter in der AG Geschichte und langjähriger Leiter der BVV-Gedenktafelkommission "für sehr weit hergeholt."


Dirk Jericho / DJ
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