Projekte im Parkviertel bringen Jung und Alt zusammen

Dorothea Reinhardt (links) und Elke Schilling wollen junge Leute mit Senioren im Kiez zusammenbringen. (Foto: Dirk Jericho)

Wedding. Der Bezirk will Projekte im Parkviertel ankurbeln, die das gegenseitige Verständnis zwischen älteren Bewohnern und vor allem jugendlichen Migranten fördern und Vorurteile abbauen helfen.

15-Jährige renovieren den Seniorenclub in der Otawistraße 46, gucken mit den Alten zusammen Filme oder zeigen ihnen, dass man mit einem Smartphone viel mehr machen kann als nur telefonieren. Die Senioren kochen mit den Schülern, bringen ihnen stricken bei oder nutzen den Computerraum der Partnerschule mit. So stellt sich Dorothea Reinhardt vom Verein Selbs-Hilfe im Vor-Ruhestand, der die Begegnungsstätten in der Otawistraße und Schönwalder Straße betreibt, das Miteinander der Generationen im Kiez vor. "Generationenübergreifende Nachbarschaftsarbeit" heißt das Projekt etwas sperrig, das der Bezirk mit 50.000 Euro aus dem Senatsprogramm Aktionsräume plus fördert.

Am 18. Oktober will Reinhardt den über 50-Jährigen aus der Region Parkviertel das Projekt vorstellen und hofft auf viele weitere Ideen der Alten, was Senioren mit Jugendlichen noch alles machen wollen. Über 4000 Bewohner werden persönlich angeschrieben, um ab 16.30 Uhr in der Schule am Schillerpark in der Ofener Straße 6 mitzudiskutieren.

Bisher ist es vor allem so, dass Jugendliche und Senioren nichts miteinander zu tun haben. Für die Jungen sind die Alten nervige Meckerer, für die Senioren die mehrheitlich ausländischen jungen Leute gewalttätige Rüpel, so die gängigen Vorurteile. "Mit gemeinsamen Aktionen und Veranstaltungen wollen wir das aufbrechen", sagt Dorothea Reinhardt.

Das Projekt läuft bereits seit Mai, es gibt zum Beispiel Führungen und Vorträge zum Afrikanischen Viertel. "Acht Senioren treffen sich regelmäßig mit einer neunten Klasse der Schillerpark-Schule und reden in kleinen Grupen über das, was die Jungen Leute bewegt", sagt Elke Schilling. Die Vorsitzende der Seniorenvertretung Mitte ist Partner des Nachbarschaftsprojektes. Bei so einem Treffen wollte zum Beispiel ein Junge von einer Oma wissen, ob sie Hitler persönlich gesehen habe, so Schilling. Als die alte Dame das bejahen konnte, fanden die Schüler das spannend.

Das Fördergeld muss bis Jahresende ausgegeben werden, ansonsten verfällt es. "Solche Projekte müssen langfristig laufen", ärgert sich Dorothea Reinhardt über solche Vorgaben. "Die Politiker wollen nur Leuchtturmprojekte, nachhaltig ist das nicht", sagt auch Elke Schilling. Um die Sachmittel noch sinnvoll zu in Anspruch zu nehmen, will Reinhardt vielleicht Computer, Tontechnik oder Videobeamer kaufen. Dann könnten die jungen Leute auch zukünftig gemeinsame Veranstaltungen mit den alten Kieznachbarn wie interessante Vorträge, Filmnachmitage oder Computerkurse machen.


Dirk Jericho / DJ
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