Jüdisches Bildungszentrum begeht Sukkot-Fest

Rabbiner Yehuda Teichtal schwenkt den Feststrauß in sechs Richtungen und betet sieben Tage lang mit mehreren Hundert Gläubigen. (Foto: Schubert)

Wilmersdorf. Lauben als heilige Stätten: In diesen Tagen kommen die Feierlichkeiten des Sukkot zum Ende - und Rabbiner Yehuda Teichtal empfing Hunderte Gläubige in der größten Hütte Berlins. Die Botschaft ist auch für Außenstehende hörenswert: Jeder Mensch hat den gleichen Wert.

Er schwenkt den Feststrauß nach Osten, nach Süden, nach Westen, zuletzt nach Norden, oben und unten, besiegelt das Gebet im Beisein seiner Glaubensfreunde mit einem Umzug. Rabbiner Yehuda Teichtal ist umgeben von einem Bau aus einfachen Zweigen, veranstaltet Malzeiten in einer Laube, deren Sprossen das sanfte Sonnenlicht des Herbstes durchdringen - es ist die größte Laubhütte auf deutschem Boden. Die Stätte des siebentägigen Sukkot.

"Da draußen sind wir verschieden, leben in großen Wohnungen oder kleinen", erklärt Teichtal die Zeremonie. "Aber hier drinnen, da sind wir alle gleich." Dass jedem Menschen der gleiche Wert innewohnt - diese Botschaft steckt auch in den Bestandteilen des Bündels in seinen Händen. Palmzweig, Myrte, Bachweide und die Etrog-Frucht - eine kostbare Zitronensorte - verkörpern verschiedene Menschentypen, von denen keiner erniedrigt werden darf.

Bei dieser Laube auf dem Hof des Jüdischen Bildungszentrums Chabad Lubawitsch in der Münsterschen Straße handelt es sich nur um eine von 30 Hütten im gesamten Berliner Stadtgebiet. Zudem war in den vergangenen sieben Tagen ein fahrbares Exemplar ständig auf Achse, um die Kunde in alle Teile der Stadt zu tragen.

Das Sukkot-Fest hier zu begehen sei etwas anderes als in New York, wo er früher zu Hause war, versichert Teichtal. Aus einer der größten jüdischen Gemeinden der Welt kam er in eine wieder wachsende. Berlin statt Brooklyn - eine Herausforderung und ein besonderer Reiz. "Es liegt in unseren Händen, die Zukunft des jüdischen Lebens zu gestalten", äußert sich der Rabbiner. Nach antisemitischen Ausfälligkeiten im Sommer des Jahres wünscht er sich eine stärkere Zivilcourage. "Dass man Israel kritisieren darf, das ist legitim. Aber es gibt keine Verbindung zum Ausruf von Judenverfolgung auf der Straße und dem, was in Israel geschieht", nennt er den Kern des Problems. "Es ist unser aller Problem", fährt er fort. "Denn in dem Moment, wenn ein Teil der Gesellschaft beschimpft wird und die anderen Teile der Gesellschaft das nicht ablehnen, wird die gesamte Gesellschaft in Frage gestellt. Wenn wir das alle verinnerlichen, sind wir auf einem guten Weg."


Thomas Schubert / tsc
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