Oeynhausen: Geheimverhandlungen gehen weiter

Die winterliche Stille über der Kolonie Oeynhausen trügt. Die Kleingärtner sind hellwach und werden ihre Parzellen zu verteidigen wissen. (Foto: Alban Becker)

Wilmersdorf. Bald werden die Ab 19. Januar wollen die Kleingärtner der Kolonie Oeynhausen Unterschriften sammeln, damit das Quorum für den angestrebten Bürgerentscheid erreicht wird, der die Zukunft ihrer Kolonie sichern soll. Die Aussichten sind jedoch trübe.

Das Gelände an der Forckenbeckstraße befindet sich im Besitz des Hedgefonds "Lone Star" beziehungsweise seiner luxemburgischen Tochtergesellschaft "Lorac Investment Fund", die das Gelände verwerten will. Störfaktor sind die Laubenpieper, die auf dem Gelände ihre Parzellen pflegen. Deshalb wurde ihnen die Tür gewiesen, als die Anwälte der Lorac im Stadtplanungsausschuss ihre Pläne ausbreiteten. Die Geheimniskrämerei wurde fortgesetzt, als Stadtrat Marc Schulte (SPD) Vertreter der Kolonie, des Bezirks- und des Landesverbandes der Kleingärtner einlud. Da erfuhren sie nur, was sie zuvor schon in der Berliner Woche gelesen hatten: dass der Bezirk versucht, einen Teil des Kleingartengeländes dadurch zu retten, dass die Baudichte eingeschränkt wird. Welcher Teil das sein und wie groß er sein wird, durften sie ahnen, als wenige Tage später entlang des Tulpenweges Vermessungen durchgeführt wurden. Bislang wurden den Kleingärtnern eingeredet, die Sache sei sonnenklar. Der frühere Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) hatte Beifall erbeten, als er auf dem Sommerfest der Kleingärtner erklärte, dass die Anlage gesichert sei. Genauso wenig können die Kleingärtner auf die Vereinbarung zwischen Grünen und der SPD zählen, in der es heißt: "Die Kleingärten wollen wir erhalten, die bestehenden Kolonien langfristig planungsrechtlich sichern; das schließt ... Oeynhausen mit ein."

"Wir finden zwar überall Verständnis", sagt der Vorsitzende Wolfgang Arlt, "aber konkrete Hilfe bekommen wir von niemandem." Die Erfahrungen sind bitter. Im Sommer wurde den Oeyenhausenern erzählt, wenn sie bereit wären, einen erheblichen Anteil für eine eventuelle Rückübertragung des Geländes an das Land zu bezahlen, wäre alles gesichert. Als sie vier Wochen später bei Stadtrat Schulte mit einer Bürgschaft für 900 000 Euro aufkreuzten, kamen sie angeblich zu spät. Laut Schulte drohen hohe Schadenersatzansprüche, wenn Lone Star nicht zum Zuge kommt.


Frank Wecker / FW
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