Saniertes Schlösschen muss nachgerüstet werden

Das Schoeler-Schlösschen ist saniert. Aber der Bezirk weiß nicht recht, was er damit anfangen soll. (Foto: KEN)

Wilmersdorf. Schmuck hergerichtet ist das 1752 erbaute Schoeler-Schlösschen in der Wilhelmsaue. Der cremefarbene Putz und das frisch gedeckte Dach leuchten in der Aprilsonne. Wie aber eines der ältesten Häuser im Bezirk genutzt werden soll, darüber herrscht auch nach elf Jahren Unklarheit.

Die heutige Kulturamtschefin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Elke von der Lieth, vor der Bezirksfusion Leiterin des Wilmersdorfer Heimatmusuems, hatte einige Ideen. Im Jahr 2000 nannte sie in den "Berliner Gesprächen", veröffentlicht in der "Berlinischen Monatsschrift", das Schoeler-Schlösschen "eine Morgengabe" an den künftigen Bezirk. Nach der originalen Restaurierung sollte es für die Kultur, für museale Zwecke, auch als Zeitzeugen-Begegnungsstätte für den damaligen Arbeitskreis Geschichte vielfältig genutzt werden. "Es soll ein begehbares Denkmal werden, ähnlich wie das Charlottenburger Schustehrus-Haus." Die Bezirksverordnetenversammlung fasste zwar den Beschluss einer kulturellen Nutzung, aus von der Lieths Ideen wurde dennoch bis heute kein schlüssiges Nutzungskonzept. Der Bezirk überantwortete die notwendigen Baumaßnahmen an die Stiftung Denkmalschutz Berlin und machte immer neue Vorschläge. Mal sollte ein Kinderhotel einziehen, mal die Kaffeehausstühlesammlung des Zirkus Roncalli, zuletzt die Johannes-Rau-Bibliothek. Auch sie kommt nicht nach Wilmersdorf. Die Witwe des früheren Bundespräsidenten wolle die Bibliothek erst einmal nicht in öffentliche Hände geben, so Stadtrat Klaus-Dieter Gröhler, zuständig für Hochbau und Immobilien.

Damit wäre das Schoeler-Schlösschen bautechnisch sowieso überfordert gewesen. Denn als im Februar Stadtrat Gröhler im Zusammenhang mit der Aufgabe des Rathauses Wilmersdorf Überlegungen anstellte, die Stadtbibliothek im Rathaus Charlottenburg in das Schlösschen zu verlagern, wurde erstmals festgestellt, dass die Tragfähigkeit des Gebäudes gar nicht gegeben ist. "Die Traglast beträgt zwei Kilonewton pro Quadratmeter, benötigt werden aber fünf Kilonewton", erläutert Klaus-Dieter Gröhler. Die Zahlen kennt der Stadtrat erst seit zwei Wochen. Gröhler will 100 000 Euro in die Hand nehmen, um mit dem Einbau zusätzlicher Stahlträger das historische Gebäude statisch zu ertüchtigen; ein "lässlicher Betrag" angesichts der gesamten Sanierungskosten von bislang 1,4 Millionen Euro, so Gröhler.

Was dann tatsächlich im Schoeler-Schlösschen untergebracht werden könnte, darüber möchte Klaus-Dieter Gröhler am 3. Mai mit Kulturstaatssekretär André Schmitz reden. Es geht auch darum, inwiefern Mittel aus der Lotto-Stiftung eingeholt werden könnten. "Der Bezirk hat noch weitere Projekte, etwa die Sanierung der historischen Kioske", sagte Gröhler.


Karen Noetzel / KEN
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