Meteorologe Thomas Dümmel ist Berlins Ambrosia-Spezialist

Ambrosia vor der Merlitz-Sporthalle vom Nahen gesehen. (Foto: Ralf Drescher)
 
Die Grünanlage vor der Merlitz-Sporthalle sieht harmlos aus. Aber hier wächst Ambrosia. (Foto: Ralf Drescher)

Entlang von Rudower Chaussee und Groß-Berliner Damm gibt es viel Grün und leider auch viel Ambrosia. Das Unkraut mit den allergenen Pollen hat hier im Südosten Berlins sein Hauptverbreitungsgebiet.

Thomas Dümmel (64), Meteorologe an der Freien Universität Berlin, ist Berlins Ambrosia-Spezialist. Ambrosia, das ist der wissenschaftliche Begriff für Traubenkraut oder auch Wilden Hanf. Die Pflanze bildet ein faseriges Wurzelsystem. „Ambrosia findet man hier in Adlershof an jeder Ecke, selbst in den Fugen zwischen den Gehwegplatten und in fast allen Grünanlagen. Die Samen wurden beim Bau von Straßen und Wegen in der Wissenschaftsstadt vermutlich mit Mutterboden hergebracht“, erläutert Thomas Dümmel.

Das Problem ist die starke allergene Wirkung. Bereits sechs Pollen in einem Kubikmeter Luft können bei empfindlichen Menschen eine Allergie auslösen, ab elf Pollen je Kubikmeter spricht man von einer starken Belastung. Ambrosiapollen können allergische Reaktionen bei Augen und Atemwegen und auch Juckreiz auslösen und im schlimmsten Fall sogar zu Asthma führen.

Seit rund 30 Jahren befasst sich der Meteorologe schon mit Pollenflug, der sich im Ergebnis des Klimawandels verstärkt hat. Birken blühen wegen der milden Winter bereits 14 Tage früher als noch Mitte der 80er-Jahre. „Mit den Hitzesommern 2003 und 2006 ist Ambrosia auch im Raum Berlin zum Problem geworden“, sagt Thomas Dümmel.

Deshalb muss die Pflanze aufgespürt und bekämpft werden. Da es sich im Südosten Berlins um die mehrjährige Ambrosia handelt, reicht einfaches Ausreißen nicht. Die Wurzeln bleiben im Boden und in der nächsten Saison sprießt eine neue Pflanze. „Bei Neubauten sollte ambrosiabelastete Erde abgetragen und mindestens 40 Zentimeter mit unverseuchtem Boden abgedeckt werden. Wir brauchen ein Bodenmanagement, bei dem ähnlich wie bei chemischen Belastungen die Freiheit von Ambrosia bescheinigt wird, bevor der Boden verwendet werden darf“, fordert Thomas Dümmel.

Während der Pollenflugsaison betreibt der Wissenschaftler in Adlershof mehrere Pollenfallen, mit denen er die Belastung ermittelt. Die Ergebnisse werden dann im Labor ausgewertet und in eine Belastungskarte für Berlin eingetragen.

Privat kann man Ambrosia im Garten mit einer Mischung aus Wasser, Essig und Kochsalz bekämpfen. Da alle drei Bestandteile zu den Lebensmitteln zählen, ist diese Art der Unkrautbekämpfung nicht reglementiert. Die vor Jahren eingesetzten Ambrosia-Scouts gibt es aus Kostengründen nicht mehr. Der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz aus Spandau setzt sich aber dafür ein, dass Mittel für die Bekämpfung des Allergieauslösers bereitgestellt werden.

Wenn Sie Ambrosia-Pflanzen finden, können Sie diese der Arbeitsgruppe Ambrosia melden. Die Funde werden in einen öffentlich einsehbaren Ambrosia-Atlas eingetragen. Vermerkt sind dort unter anderem zahlreiche Funde in Adlershof, auf dem früheren Areal einer Baustoffrecyclinganlage in der Straße zum FEZ, am Straßenrand der Ahornallee in Friedrichshagen und in der Nähe eines Sportplatzes an der Walchenseestraße in Grünau.

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