Kritiker sprachen vom Haus Krüger von einer Zigarettenkisten-Architektur

Das Haus Krüger wirkt bewusst unspekakulär. Hier hatte Ahrends im Innern berufliche und häusliche Arbeitsbereiche angeordnet. (Foto: Martin)

Dahlem. In der Wachtelstraße 4 steht das Haus Krüger. Das Bezirksamt hat das vom Architekten Bruno Ahrends (1878-1948) entworfene Gebäude zum Denkmal des Monats September erklärt. Ahrends gilt als Vertreter der Berliner Moderne.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören die "weiße Siedlung" in Reinickendorf sowie die Landhäuser Miquelstraße 66 und Am Großen Wannsee 6. Ahrends baute sie für seine Familie.

Das weiß verputzte Haus Krüger in Dahlem besteht aus einem hohen Kubus, der von der Straße aus zu sehen ist, und drei niedrigeren, versetzten Kuben, die sich zum Garten hin öffnen.

Ahrends baute es als Dienst- und Mietsgebäude für die Kommission zur Aufteilung der Domäne Dahlem. Nach der Fertigstellung zog 1928 sein Freund Hans Krüger (1884-1945) ein, Staatssekretär im Preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. Ahrends trennte grundsätzlich Wohn- und Wirtschaftsräume voneinander, auch im Haus Krüger. Berufliche und häusliche Arbeitsbereiche ordnete er so an, dass sie von der Straßenseite aus betrachtet zurückhaltend wirken, innen aber optimal erreichbar sind.

Die drei kleineren Kuben zum Garten hin liegen in Richtung Süden, dort befinden sich Ess-, Damen- und Herrenzimmer; die Wirtschaftsräume sind nach Norden ausgerichtet. Die Dächer auf den Quadern sind flach. Damit sollte die Plastizität der Bauteile unterstrichen werden.

Diese Flachdächer aber, die Ahrends und andere Architekten wie unter anderem Bruno Taut realisierten, sorgten in Zehlendorf für heftige Diskussionen, wurden als "Zigarrenkistenarchitektur" geschmäht. Ahrends sollte als beratender Sachverständiger der damaligen Kommunalverwaltung zurücktreten, fand dann aber Unterstützung bei Gustav Böß, von 1921 bis 1929 Oberbürgermeister von Berlin.

Das Haus Krüger hat sich im Lauf der Jahrzehnte verändert: Eine Freilicht-Dachterasse auf einem der hinteren Kuben ist verschwunden. Die originalen Verbundfenster waren marode und wurden durch Nachbauten mit Isolierglas ersetzt.

Die Fassaden erhielten einen groben Verputz mit kunststoffhaltiger Farbe. In Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde des Bezirks sollen sie mit einem hellen Glattputz nach historischer Rezeptur versehen werden.


Ulrike Martin / uma
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