Anwohner sorgen sich um Jagdrevier der kleinen Säuger

Friedrichshain. Auf dem Grundstück Proskauer Straße 8 soll ein neues Gartenhaus entstehen. Vor allem die Anwohner sind mit diesem Vorhaben nicht sehr glücklich.

Das ist nicht neu und kommt häufiger vor. Nicht ungewöhnlich ist auch, dass die umliegende Bevölkerung befürchtet, durch die Baumaßnahme werden alteingesessene Nachbarn verdrängt. Allerdings, und das macht diese Geschichte besonders, handelt es sich dabei nicht um Menschen, sondern um Fledermäuse.Denn auf dem Gelände haben bisher männliche Zwergfledermäuse ihr Jagdrevier. Bei dieser Gattung handelt es sich um eine Art, die vorwiegend im Berliner Osten vorkommt. Mit dem Neubau wären die Jagdgründe möglicherweise in Gefahr. Und die Fledermäuse müssten sich dann auch ein neues Wohnquartier suchen. Denn typisch für die Tiere ist, dass sie immer ganz in der Nähe der Stelle hausen, wo sie auch auf Beutezug gehen.

Diese und weitere Erkenntnisse fasste ein Gutachten zusammen, das der Bezirk wegen der Sorge um die Fledermäuse in Auftrag gegeben hat. Es zeigt außerdem mögliche Rettungswege für die Nachtflügler auf.

Die haben nämlich durch das Bundesnaturschutzgesetz Sonderrechte. Paragraph 44 gesteht ihnen dort einen gewissen Schutz der angestammten Wohnung zu. Besteht die Gefahr, dass sie etwa wegen eines Bauvorhabens ihre Bleibe verlieren, ist der Investor verpflichtet, ihnen eine Ersatzbehausung einzurichten. Etwa indem er Fledermausverteiler in die Fassade des neuen Gebäudes integriert oder an der Außenwand anbringt. Der Grund für die gesetzliche Fürsorge ist die Wichtigkeit der Tiere als Insektenfresser und damit für das Ökosystem.

Nun ist es in diesem Fall aber so, dass die männlichen Zwergfledermäuse an der Proskauer Straße 8 nicht wohnen, sondern jagen. Weil aber, siehe oben, ihr Domizil davon nicht allzu weit entfernt sein kann, sieht das Gutachten zumindest die Möglichkeit, auch den dortigen Investor zum Bereitstellen von Fledermausbehausungen zu vergattern. Ob und in welchem Umfang das passiert, diese Entscheidung liegt aber nicht mehr beim Bezirk, sondern bei der obersten Naturschutzbehörde des Landes Berlin.

Aber selbst wenn das so kommt, lässt sich der Neubau an der Proskauer Straße wahrscheinlich nicht verhindern. Auch darauf hatten Anwohner und der Bezirk zumindest ein wenig gehofft. Ihnen ist das Vorhaben aus mehreren Gründen ein Dorn im Auge. Zum Beispiel, weil dort ein knappes Dutzend Bäume gefällt werden müssen. Für die meisten soll es allerdings Ersatzpflanzungen geben. Aber rein rechtlich, diesmal nach den Buchstaben des Baugesetzbuches Paragraph 34, ist das keine Hürde für eine Genehmigung. "Wir haben zunächst gedacht, die Fledermäuse retten uns", meinte Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Grüne). Jetzt geht es nur noch darum, die Fledermäuse an diesem Standort zu retten.


Thomas Frey / tf
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