Klagen über häufigen und unnötigen Kahlschlag

Friedrichshain-Kreuzberg. Soll im Bezirk ein Baum gefällt werden, wird sofort protestiert. Der Kampf um jeden Baum tobte zuletzt in der Lausitzer Straße. Dort verhinderten Anwohner und Aktivisten, dass die Berliner Wasserbetriebe sechs fällen.

Die Bäume sollten wegen des Neubaus eines Regenwasserrücklaufkanals weichen. Der Kanal wird jetzt unterirdisch gebaut, die Linden können deshalb stehen bleiben. Für die Baumfreunde ist das eine weitere Bestätigung dafür, dass im Bezirk häufig zu schnell die Axt angelegt wird. "200 Bäume lässt das Grünflächenamt jedes Jahr fällen", sagt Anuschka Guttzeit von "Bäume am Landwehrkanal". Nicht selten passiere das sogar während der Brut- und Vegetationsperiode. Dabei werde häufig nicht einmal untersucht, ob in dem Geäst noch Vögel nisten. "Und das alles passiert in einem von den Grünen dominierten Bezirk."

Das geht vor allem gegen den Baustadtrat Hans Panhoff, der die Vorwürfe zurückweist: "Wir wissen um die Bedeutung, die dieses Thema hat und gehen deshalb sehr sensibel vor." Außerdem folge auf nahezu jedes Abholzen eine Neupflanzung. Und bei vielen Bäumen, die weichen müssen, geschehe das aus Sicherheitsgründen.

Denn in Friedrichshain-Kreuzberg fallen immer wieder Bäume, ohne dass sie vorher gefällt werden. Zuletzt ist das Ende Mai an der Kreuzung Jung- und Oderstraße passiert, wo eine Linde umstürzte. Gott sei Dank kam dabei niemand zu Schaden. Anders als im März in der Großbeerenstraße. Dort krachte ebenfalls eine Linde auf ein Auto, das in diesem Moment an einer Ampel hielt. Die beiden Frauen, die sich in dem Wagen befanden, wurden verletzt und mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Auch wenn das niemand offen sagt, aber solche Vorkommnisse beschäftigen die Mitarbeiter im Grünflächenamt mehr, als der Vorwurf, sie würden vielleicht an der einen oder anderen Stelle zu schnell die Axt anlegen. Zumal oft von außen nicht sofort erkennbar ist, ob ein Baum keine Standfestigkeit mehr hat.

Die Baum-Aktivisten sind dagegen der Meinung, dass in vielen Fällen Alternativen zu einem Kahlschlag nicht wirklich geprüft werden.


Thomas Frey / tf
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