Neue Pläne für Brauereigelände an der Landsberger

Ein ganzes Haus für ihre Kunst. Mitglieder der Initiative LA54. (Foto: privat)

Friedrichshain. Auf dem Grundstück der ehemaligen Patzenhofer Brauerei an der Landsberger Allee und der Richard-Sorge-Straße versuchten sich in der Vergangenheit mehrere Investoren. Jetzt macht Achatz von Oertzen einen neuen Anlauf.

Der Grundstücksentwickler ist seit 2012 Besitzer der Fläche und stellte seine Pläne in der jüngsten Sitzung des Stadtplanungsausschusses vor. Er will die vorhandenen Gebäude sanieren und dazu neue Wohnungen bauen. Zuvor hat er bereits eine wichtige Frage anscheinend befriedigend geklärt. Nämlich den weiteren Umgang mit den Akteuren von LA 54.

Hinter diesem Namen, angelehnt an die Adresse Landsberger Allee 54, verbirgt sich eine Künstlergruppe, die jahrelang auf dem Brauereigelände ansässig war. Als die Baupolizei 2011 das Grundstück sperrte, musste sie weichen. Einige Mitglieder suchten sich Räume in anderen Bezirken. Ein harter Kern von etwa einem Dutzend Personen hat inzwischen ein Ausweichquartier in der Ebertystraße, pochte aber weiter auf eine Rückkehr. Mit von Oertzens Vorgänger, kam keine konkrete Einigung zustande. Sie wäre nach deren Weiterverkauf ohnehin Makulatur geworden. Anders dagegen mit dem jetzigen Eigentümer.

Achatz von Oertzen versprach der Initiative als künftiges Domizil die ehemalige Trinkhalle am Eingang der Landsberger Allee. Sie bekommen dort Ateliers, außerdem gibt es einen Ausstellungsraum. Dort sollen sowohl Arbeiten der LA54, als auch anderer Künstler gezeigt werden. Auch Lesungen, weitere Veranstaltungen und ein Café könnte es dort geben. Für die Nutzung ihrer mehr als 800 Quadratmeter großen Fläche muss die LA54 keine Miete, sondern nur die Nebenkosten bezahlen. Das gilt für zehn Jahre. Der entsprechende Vertrag soll in Kürze unterzeichnet werden. Er wird gültig, so bald die weiteren städtebaulichen Abmachungen zwischen dem Investor und dem Bezirk geregelt sind.

Ein Ergebnis, mit dem LA54-Sprecher Gustav Kleinschmidt sehr zufrieden ist. "Für uns war vor allem wichtig, dass es sich hier nicht um vage Versprechen, sondern um konkrete Abmachungen handelt". Seine Initiative habe auch bereits eine Menge Ideen, was in der Trinkhalle alles passieren kann. Neben Malerei und Installationen zum Beispiel Tanz, Theater, Musik oder Film. Die Räume sollen außerdem eine Anlaufstelle vor allem für internationale Künstler werden, die nach Berlin kommen.

Auch die anderen noch vorhandenen Brauereigebäude auf dem Areal, die Villa und das Sudhaus, werden saniert. In der Villa, vis-á-vis der Trinkhalle gelegen soll es Büro- und Gewerbeflächen geben. Ein Mix aus Gewerbe und Wohnungen ist im Sudhaus vorgesehen, jenem markanten Bau, der sich entlang der Richard-Sorge-Straße erstreckt. Außerdem plant von Oertzen, die einst vorhandene Glaskuppel in der Mitte des Gebäudes wieder anzubringen. Dort könnte ein Restaurant eingerichtet werden.

Neben den Umbauten im Bestand sehen die Pläne rund 9000 Quadratmeter Wohnungsneubau vor. Er soll auf den noch vorhandenen Grundstückslücken und vor allem an der Südseite, anschließend an das vor einigen Jahren fertiggestellte, benachbarte Quartier entstehen. Teil des Vorhabens ist auch der Bau einer Kita, die sich an die Trinkhalle anschließen soll. Auch das Kino auf dem Nebengrundstück soll mit dem Gesamtensemble verbunden werden. Ihm schwebe eine Mischung aus Wohnen und Kultur vor, die auch die umliegende Gegend aufwerte, fasste der Investor zusammen.

Das sahen zwar nicht alle Mitglieder im Ausschuss so enthusiastisch. Manche befürchteten eine Art "kulturelles Ufo" für eine bestimmte Bevölkerungsschicht. Zumal von Oertzen ankündigte, dass alle Wohnungen als Eigentumsobjekte verkauft werden. Wie decke sich das aber mit der Forderung des Bezirks, nach einem Anteil von günstigen Mietangeboten?

Dem werde er wohl nicht nachkommen können, machte der Eigentümer deutlich. Zum einen sah er kaum eine Möglichkeit, aus seinem Gesamtensemble einen bestimmten Bereich etwa an eine Wohnungsbaugesellschaft abzugeben, die dort preiswerte Appartements einrichtet. Vor allem aber verwies er auf sein Entgegenkommen bei den LA54-Künstlern. Damit habe er bereits erhebliche Leistungen erbracht. Das wurde ihm auch von den meisten Bezirksverordneten positiv angerechnet.


Thomas Frey / tf
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