Schwere Unfälle im Bezirk

Friedrichshain-Kreuzberg. Im Bezirk hat es seit Mitte Juni vier schwere Unfälle mit Radfahrern gegeben. Einer endete tödlich.

Am späten Abend des 13. Juni überquerte ein 18-Jähriger mit seinem Rad die Fußgängerfurt der Landsberger Allee auf Höhe der Hausburgstraße und wurde dort von einer Straßenbahn erfasst. Er starb am nächsten Vormittag im Krankenhaus.Gut eine Woche später, am 21. Juni, stieß eine Autofahrerin beim Einbiegen von der Singer- in die Lichtenberger Straße mit einem Radfahrer zusammen. Der 34-Jährige prallte gegen die Motorhaube und wurde mit schweren Kopfverletzungen in eine Klinik eingeliefert.

Am Abend des gleichen Tages gab es in der Proskauer Straße einen Zusammenstoß zwischen zwei Zweiradpiloten. Ein 49-Jähriger trat auf dem dortigen Radweg in die Pedale und wollte einen 36-Jährigen mit seinem Drahtesel überholen. Als beide auf gleicher Höhe waren, verhakten sich die Räder und beide stürzten. Der Jüngere erlitt Schürfwunden, der ältere musste mit einer Schädelfraktur und Verletzungen an der Halswirbelsäule stationär behandelt werden.

Der bisher letzte Unfall ereignete sich am 24. Juni an der Kreuzung Friedrich- und Kochstraße. Eine 49 Jahre alte Frau wollte gegen 10.30 Uhr geradeaus weiter radeln, als die Ampel Grün zeigte. Dabei wurde sie von einem Lastwagen übersehen, der nach rechts abbog. Die Frau geriet unter den LKW und wurde am Vorderrad eingeklemmt. Rettungskräfte musste sie befreien und brachten sie anschließend ins Krankenhaus.

Jeder dieser Unglücksfälle verlief anders und auch die Schuldfrage war jeweils unterschiedlich. Sie alle zeigen allerdings, dass Radfahrer nicht ohne Risiko unterwegs sind. Diskutiert wurde deshalb zuletzt, ob es eine allgemeine Helmpflicht geben sollte. Denn vor kurzem hatte ein Urteil des Oberlandesgerichts Schleswig-Holstein festgestellt, dass ein Radfahrer bei einem Unfall Mitschuld trägt, wenn er stürzt und sich am Kopf verletzt. Das gelte auch dann, wenn sich ein Autofahrer verkehrswidrig verhalten habe. Ein Richterspruch, den der Allgemeine Deutsche Fahrradclub kritisiert. Nach seiner Meinung ist Kopfschutz wenig zielführend, sondern sorge eher für weitere Gefahr, vor allem wegen eingeschränkter Sicht. Außerdem würde auch ein Helm andere Verletzungen am Körper nicht verhindern.

Für mehr eigene Sicherheit könnten viele Radfahrer aber schon durch eine andere Fahrweise sorgen. Nur eine Momentaufnahme, erlebt vor einigen Tagen am Bersarinplatz. Mehrere Pedaltreter brausten dort über den Fahrradstreifen, ohne das Tempo zu drosseln. Dass dort derzeit wegen einer Baustelle das Abbiegen für Autofahrer, etwa in den Weidenweg, nicht möglich ist, heizte ihren Geschwindigkeitsrausch noch weiter an. Statt der Bremse betätigten sie lediglich ihre Klingel. Mit der wurde jeder Fußgänger weggebimmelt.


Thomas Frey / tf
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