Vivantes muss eine Million Euro Schadensersatz bezahlen

Friedrichshain. Der Abbruch der Dreharbeiten für die RTL-Doku "Babyboom - Willkommen im Leben" im Krankenhaus Friedrichshain hat wie erwartet ein finanzielles Nachspiel.

Nach unbestätigten Meldungen muss der Klinikkonzern rund eine Million Euro Schadensersatz an die Produktionsfirma bezahlen. Das ist zwar weniger als befürchtet, denn nach Ansicht von Insidern hätten die Fernsehmacher sogar bis zu zwei Millionen geltend machen können. Aber immer noch eine Menge Geld. Vivantes wollte sich zu der Zahl nicht äußern, dementierte sie aber auch nicht. Betont wurde lediglich, dass sich beide Seiten auf eine "deutlich geringere Summe" geeinigt hätten.

Dass die Million jetzt fällig wird, ist der Aufregung um die Dreharbeiten im Frühjahr zu verdanken. Wie damals berichtet, hatte Vivantes die Genehmigung zu den Babyboomer-Aufnahmen erteilt, nachdem die Verantwortlichen am Konzept der Serie nichts anstößiges entdecken konnten. Gezeigt werden sollten Frauen vor, während und nach der Geburt. In zwei Kreißsälen sowie der Station im Krankenhaus Friedrichshain wurden rund 30 Kameras installiert. Selbstverständlich hatten alle werdenden Mütter im Vorfeld ihr Einverständnis gegeben. Ebenso der größte Teil der Ärzte, Schwestern und Pfleger.

Vor allem Berlins Gesundheitssenator und Vivantes-Aufsichtsratsmitglied Mario Czaja (CDU) genügte das aber nicht. Er sah die Rechte der Neugeborenen beeinträchtigt. Und sehr schnell wurden die Geburts-Doku in einen Topf mit TV-Trash-Formaten wie Big Brother oder dem Dschungelcamp geworfen. Dabei hätte ein Blick nach Großbritannien genügt, um sich ein Bild vom Inhalt der Babyboomer zu machen. Dort läuft das Vorbild sogar in der öffentlich-rechtlichen BBC.

Aufgrund der Kritik und der allgemeinen Hysterie zog Vivantes im März die Notbremse und stoppte die Dreharbeiten. Von den geplanten acht Folgen war bis dahin nicht einmal die Hälfte im Kasten.

Da über das gesamte Vorhaben natürlich entsprechende Verträge existierten, kündigte die Produktionsfirma sehr schnell Schadensansprüche an. Mit dem jetzt bekannten Ergebnis.

Die Moral von der Geschichte. Vor allem die erneute Erkenntnis, dass es häufig teuer wird, wenn die Politik der Meinung ist, sie müsste irgendwo eingreifen. Die Million hätte sicher an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden können.


Thomas Frey / tf
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