Ausbildung auf der Scholle

Gärtner: Dass ihnen das Spaß macht, haben Tabea Bartels (l.) und Sydney Letzsch in ihrem Freiwilligen Ökologischen Jahr an der "KreativitätsGrundschule" bereits erkannt. (Foto: Klaus Teßmann)
Berlin: Kreativitätsgrundschule |

Karlshorst. Die "KreativitätsGrundschule" in der Ehrlichstraße 63 hat Unterstützung bekommen. Seit Beginn des Schuljahres machen dort zwei junge Frauen ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ).

Tabea Bartels und Sydney Letzsch helfen vor allem bei der Gartenarbeit. An der Grundschule gibt es zwei Gärten, die von den Schülern gepflegt werden. „Jede Klasse hat ein kleines Stück, das gemeinsam bewirtschaftet wird“, erklärt Projektleiter Lothar Gütter. Die Schule möchte zu den Wurzeln der Reformpädagogik der 1920er-Jahre zurückkehren. Damals waren Pädagogen der Meinung, dass auch Kinder aus der Großstadt die Verbindung zur Landwirtschaft nicht verlieren dürfen.

Seit 2003 gibt es die Grundschule in Karlshorst. „Die Schwerpunkte der schulischen Tätigkeit liegen auf der Ökologie und der Kreativität“, erklärt Gütter. Dazu gehört auch der Schulgarten. Vor der Schule liegt ein Teil des Gartens. Das Beet ist in Form eines Drachens gestaltet. „Der Drachen wird von den Kindern der ersten bis vierten Klasse gepflegt“, berichtet Gütter. Es ist mit vielen Küchenkräuter bepflanzt. Hinter der Schule gibt es noch den zweiten Garten. Damit beschäftigen sich die Schüler der fünften und sechsten Klasse.

„Wir wollen die essbare Schule“, sagt Gütter. Die Kinder würden sehen, wie aus dem Samenkorn die Pflanze wächst und schließlich im Herbst wieder Samenkörner für das kommende Jahr gewonnen werden. „Wir wollen das alte Saatgut erhalten und vermehren.“ So wachsen auf den Beeten verschiedene Küchenkräuter, Gemüsesorten, Himbeeren und Brombeeren. Die 250 Schüler sollen neben dem Unterricht auch eine „Ausbildung auf der Scholle bekommen“.

Dabei werden sie nun von Tabea Bartels und Sydney Letzsch bis zum 31. August kommenden Jahres unterstützt. Tabea Bartels hat gerade ihr Abitur abgelegt. Die 19-Jährige kommt aus der Nähe von Magdeburg. „Ich wusste lange nicht, was ich nach der Schule machen möchte“, sagt sie. Darum hat sie sich zunächst für das FÖJ entschieden. Nach einem Probetag stand für sie die Entscheidung fest. „Es hat mir sofort gefallen, das wollte ich jetzt machen.“ Die Arbeit ist sehr umfangreich und auch abwechslungsreich. „Wir begleiten die Schüler bei der Gartenarbeit, betreuen die Projekte, können aber auch selbst neue Projekt entwickeln.“ Vor allem findet sie den engen Kontakt mit den Schülern gut.

Die zweite FÖJlerin kommt aus Reinickendorf und hat nach der 11. Klasse die Schule abgebrochen. „Ich war unzufrieden mit der Schule und wollte einfach praktisch arbeiten“, erklärt Sydney Letzsch. Sie hatte sich im Berufsinformationszentrum umgesehen und war dabei auf das FÖJ gestoßen. „Ich habe mir die Arbeit hier an der Schule angesehen und war begeistert.“ Sie findet es schön, dass auch die kleinen Kinder hier die Gartenarbeit kennenlernen. „Wir hatten früher selbst einen Kleingarten und mir hat es als Kind immer sehr viel Freude gemacht.“ Diese Begeisterung für die Gartenarbeit möchte sie nun auf die Schüler übertragen.

Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ist ein Freiwilligendienst. Es gilt als Bildungs- und Orientierungsjahr für Jugendliche von 16 bis 27 Jahren und dauert zwischen sechs und zwölf Monaten. KT
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