Karlshorst feiert Geburtstag: Im Mai 1895 wurde der "Coloniekonsens" unterzeichnet

Die "Kaiserhäuser" in der Kaiser-Wilhelm-Straße 1, 2 und 3 (heute: Lehndorffstraße). Heute stehen sie nicht mehr - sie wurden 1943 bei einem Luftangriff zerstört. (Foto: Archiv Günter Toepfer)

Karlshorst. Am 25. Mai wird es ein Fest geben: Karlshorst feiert seinen 120. Geburtstag. Die Berliner Woche möchte die Gelegenheit nutzen und in seinen nächsten Ausgaben etwas aus der spannenden und wechselvollen Geschichte des heutigen Lichtenberger Ortsteils erzählen.

Wie der Ort zu seinem Namen kam: Als Geburtsstunde Karlshorsts gilt die Unterzeichnung des "Coloniekonsens" im Jahr 1895. Doch seinen Namen erhielt der Ort schon knapp 80 Jahre zuvor. Alles begann mit der ehrenwerten Familie von Treskow. Die kaufte 1816 das Schloss und Gut Friedrichsfelde.

Sechs Jahre später ließ Carl von Treskow an der Köpenicker Landstraße (heute: Waldowallee/Rhenser Weg) ein Vorwerk bauen - einen landwirtschaftlichen Gutshof mit Stallungen und einer Handvoll Wohnhäuser. Ein Name für die kleine Siedlung war bald gefunden: "Carlshorst" - Pate für den ersten Teil stand der Gutsherr, und "Horst" ist ein alter Flurname, der für eine leicht erhöhte, bewachsene Stelle in einem Feuchtgebiet steht. 1901 änderte man die Schreibweise offiziell in "Karlshorst"; bis zur Eingemeindung nach Groß-Berlin im Jahr 1920 blieb es Teil der Gemeinde Friedrichsfelde.

Raffinierter Baumeister

Wie kam es nun aber zur Gründung der Kolonie? Im Jahr 1893 taten sich einige gräfliche Familien, ein Rechtsanwalt und ein Fabrikant zusammen und gründeten die "Bauvereinigung Eigenhaus" und die "Heimstätten-Actien-Gesellschaft". Ein 60 Hektar großes Gebiet zu beiden Seiten der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn wurde gekauft.

Das ursprüngliche Ziel war, kleine Siedlungshäuser für Arbeiter, Angestellte und untere Beamte zu errichten. Mit der Geschäftsführung und den Verhandlungen mit den Behörden beauftragte man den Baumeister Oscar Gregorovius. Der war ein recht raffinierter Charakter. Er schaffte es, den Kaiser höchstpersönlich dazu zu bewegen, die ersten drei Häuser Karlshorsts, gelegen in der heutigen Lehndorffstraße, zu stiften. Das gab ihm den Friedrichsfelder Ämtern gegenüber eine Art Freifahrtschein. Denn wer würde es wagen, seiner Majestät Steine in den Weg zu legen und auf kleinlichen Vorschriften zu bestehen?

Günter Toepfer schreibt in seinem Buch "Verliebt in Karlshorst": "Aus heutigem Rechtsverständnis begann alles mit drei Schwarzbauten und das auch noch durch Kaiser und Kaiserin. Am 24. Juni 1894 erfolgte die Grundsteinlegung für die ersten drei Häuser im Kiefernwald ohne Straße, ohne Wasser, ohne Strom, ohne Gas, ohne Kanalisation und ohne Baugenehmigung, und ruckzuck waren sie fertig, vorzeitig zum Gründungstag der Colonie Carlshorst."

Der wurde am 25. Mai 1895 gefeiert. Im Coloniekonsens wurde unter anderem festgelegt, dass hier keine Fabriken, sondern nur Wohnungen gebaut werden sollten, neben einer Kirche, einer Schule und einem Friedhof. Karlshorst (damals noch mit "C") war geboren.

Sechs Prinzenstraßen

Das Kaiserpaar indes überließ die drei Häuser "fleißigen Arbeiterfamilien"; die Straße, an der sie lagen, nannte man nach Kaiser Wilhelm, eine weitere - die heutige Ehrlichstraße - nach seiner Frau Auguste Viktoria. Nicht genug der Ehre: Auch die sechs kaiserlichen Söhne bekamen eine Straße: die Prinzen Friedrich Wilhelm, Eitel Friedrich, Adalbert, August-Wilhelm, Oskar und Joachim. Selbst der Bruder des Kaisers ging nicht leer aus: Nach ihm wurde die Prinz-Heinrich-Straße (heute Wandlitzstraße) getauft. Kein Wunder, dass das Gebiet fortan den Namen "Prinzenviertel" trug.

Alle Artikel unserer kleinen Serie "120 Jahre Karlshorst" finden Sie hier.

Susanne Schilp / susch
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