Sonderausstellung im Museum auf dem Flugplatz Gatow

In der Schau sind auch Modelle der ersten Marineflugzeuge zu sehen. (Foto: Christian Schindler)

Kladow. Noch bis zum 14. September ist im Militärhistorischen Museum Flugplatz Berlin-Gatow die Ausstellung "Nur Fliegen ist schöner!? Die Marine entdeckt die dritte Dimension" zu sehen.

Die Sonderausstellung, konzipiert vom Deutschen Marinemuseum Wilhemshaven, zeichnet die Entwicklung der Marineflieger von 1913 bis 1919 nach. Ein Zufallsfund ermöglichte die Schau. Der Mitarbeiter einer Gestaltungsagentur entdeckte im Nachlass seines Urgroßvaters zwei Fotoalben.

Tonius Pollmann, Werksmeister der Flugwerft Wilhelmshaven, hatte dort 100 Schwarz-Weiß-Fotos in bester Qualität hinterlassen, die den Bau und die Reparatur von Flugzeugen zeigten. Sie bilden den Kern der Ausstellung, dazu kommen Flugzeugmodelle und technische Exponate.

Erst am 3. Mai 1913 hatte Kaiser Wilhelm II. per Kabinettsordre die Aufstellung von Marineflieger-Einheiten in Berlin-Johannisthal und in Putzig bei Danzig angeordnet. Gleichwohl lag hier nicht der Schwerpunkt der Rüstung des Deutschen Reiches. Als der Erste Weltkrieg begann, verfügten die Marineflieger über "eine Handvoll Maschinen mit 35 Piloten", wie Dr. Stephan Huck, Leiter des Deutschen Marinemuseums Wilhelmshaven, erklärt.

Schließlich hatte das Militär auch nicht die besten Erfahrungen mit der Marinefliegerei gemacht. Noch im letzten Friedensjahr 1913 waren die ersten beiden Marineluftschiffe verunglückt, das erste bei einem Manöver vor Helgoland, das zweite bei der Überführung von Johannisthal nach Nordholz.

Die Marineflieger traten dennoch schnell aus ihrem Randdasein heraus. Bis Kriegsende 1918 hatten rund 16 000 Soldaten bei den Marinefliegern gedient, die Zahl der Flugzeuge lag bei deutlich mehr als 2100. Allerdings gingen von diesen wiederum 1166 während des Krieges verloren.

Hauptaufgabe der Marineflieger war die Aufklärung. Noch gefährlicher als feindliche Flugzeuge oder Schiffe wurden für die Besatzungen die Wetterverhältnisse. Die fragilen Konstruktionen aus Leinwand, Holz und Draht waren Sturm und Regen ausgeliefert. Verunglückte ein Flugzeug, war Rettung kaum möglich, da es keine Funkverbindung gab und die Havarie erst bemerkt wurde, wenn die Flieger nicht zurückkamen.

Um dieses Problem zu lösen, flogen sie bald nur noch im Schwarm und hatten als Verbindung zum Fliegerhorst Brieftauben dabei. Die Funktelegrafie kam erst im Laufe des Krieges als Kommunikationstechnik hinzu.

Das Militärhistorische Museum Flugplatz Berlin-Gatow, Am Flugplatz Gatow 33, ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr (letzter Einlass 17 Uhr) bei freiem Eintritt geöffnet.


Christian Schindler / CS
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