Namensgeber für Straße wurde vor 200 Jahren geboren

Berlin: Niebergallstraße 20 |

Köpenick. Die Straße ist nicht einmal 500 Meter lang, führt durch die Villenkolonie Wendenschloß und trägt den Namen eines in Berlin fast unbekannten Dichters.

In Darmstadt, seiner Geburtsstadt, ist Ernst Elias Niebergall fast schon berühmt. Geboren wurde er am 13. Januar 1815, er studierte in Gießen Theologie und war dann viele Jahre in Darmstadt als Lehrer für Latein, Griechisch und Geschichte tätig. Deutschlandweit bekannt wurde er aber als Schriftsteller und Dichter. Sein Klassiker wurde das in südhessischer Mundart verfasste Bühnenstück "Datterich", das später sogar eine Fernsehverfilmung erfuhr. Hier gelang es Ernst Elias Niebergall, das Darmstädter Kleinbürgertum treffsicher bloßzustellen und ein scharfsinniges Abbild der anachronistischen Kleinstaaterei im Vormärz zu vermitteln.

Das Stück wurde erst 1862 von einem Laientheater uraufgeführt. Auf Berufsbühnen erschien es zu Niebergalls 100. Geburtstag in Darmstadt, Frankfurt am Main und Berlin. Niebergall starb bereits am 19. April 1843 im Alter von nur 28 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung in seiner Heimat, wo er auf dem Alten Friedhof begraben wurde.

Die kleine Straße in Wendenschloß ist die einzige Erinnerung an Ernst Elias Niebergall außerhalb von Hessen. In Darmstadt erinnern der Niebergallweg, eine kleine Straße im Paulus-Viertel, und der "Datterich-Brunnen" vor der Stadtbibliothek mit beweglichen Figuren der Hauptcharaktere des Stücks an den dort populären Dichter. Die Straße in Köpenick wurde 1939 benannt. Ihr früherer Name Wielandstraße musste verschwinden. Nach der Bildung von Groß-Berlin sollten Verwechslungen vermieden werden.

Gut sechs Jahre nach der Namensgebung wurde in der Niebergallstraße 20 Weltgeschichte geschrieben. Am 5. Juni 1945 trafen sich im späteren "Sporthaus Freundschaft" Marschall Georgij Shukow, General Dwight D. Eisenhower, Feldmarschall Bernard L. Montgomery und General Jean de Lattre de Tassigny, um mit dem Alliierten Kontrollrat die Regierungsgewalt in Deutschland zu übernehmen. Sie unterzeichneten dort die Erklärung über die endgültige Niederlage Deutschlands.

Bürgermeister Oliver Igel (SPD) freut sich als Literaturwissenschaftler besonders darüber, an den im 19. Jahrhundert bedeutenden Schriftsteller Ernst Elias Niebergall erinnern zu können. "Ich lade Kultur- und Theaterschaffende aus Darmstadt gern in unseren schönen Bezirk ein, um im Jubiläumsjahr ein Stück von Niebergall aufzuführen", so Igel.


Ralf Drescher / RD
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