Immer mehr Tuberkulose-Fälle: Zentrum schafft neues Röntgengerät an

Stadträtin Sandra Obermeyer, Radiologin Gisela Glaser-Paschke und Bürgermeister Andreas Geisel im TBC-Zentrum (v.l.). (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Mit 330 Tuberkulose-Fällen verzeichnete das TBC-Zentrum in Lichtenberg 2013 erneut einen Anstieg der Erkrankungen. Ein neues Röntgengerät sorgt zwar für schnellere Untersuchungsergebnisse, doch es fehlt am Personal.

Erkrankten 2009 in Berlin noch 256 Menschen an Tuberkulose (TBC), waren es im vergangenen Jahr bereits 330. "Der Anstieg der Fallzahlen sagt aber noch wenig über die Arbeit des Tuberkulosezentrums aus", sagt die Radiologin und Leiterin des Tuberkulose-Zentrums, Gisela Glaser-Paschke. "Denn jeder einzelne TBC-Fall kann dazu führen, dass bis zu 200 Menschen betreut werden müssen." Die bakterielle Infektionskrankheit Tuberkulose wird leicht übertragen, am häufigsten durch Husten. Um zu verhindern, dass sich die Krankheit rasant ausbreitet, muss das soziale Umfeld jedes Erkrankten untersucht werden. Deshalb arbeiten im Tuberkulose-Zentrum nicht nur Ärzte, sondern auch Sozialarbeiter. Sie machen die so genannten Kontaktpersonen ausfindig. Diese bittet das Zentrum dann zur Untersuchung. Im TBC-Zentrum gehen aber auch Anfragen von Menschen ein, die von sich aus eine Erkrankung befürchten, obwohl sie keinen direkten Kontakt zu einem Kranken hatten. "Sie sind verunsichert, wenn sie von TBC-Fällen hören", sagt Ärztin Glaser-Paschke. "Ein Aufenthalt im U-Bahn-Gedränge ist aber noch kein Grund zu erkranken. Ein Kriterium ist etwa, wie lange eine Person Kontakt zu einem Erkrankten hatte."

Seit fünf Jahren ist das Tuberkulose-Zentrum in der Deutschmeisterstraße 24 zuständig für Fälle aus ganz Berlin. "In dieser Zeit hat sich viel verändert", so die Ärztin. Die Fallzahlen sind um 25 Prozent gestiegen." Zudem seien immer mehr junge Erwachsene betroffen, vorher waren es meist ältere Menschen. Auch die steigenden Flüchtlingszahlen sorgen für Arbeitsdruck im Zentrum. "Aktuell gibt es 17.000 Flüchtlinge in Berlin", bestätigt Bürgermeister Andreas Geisel (SPD). "Die Zahlen werden 2014 weiter steigen."

Jeder Flüchtling muss jedoch auf TBC untersucht werden, das scheibt das Gesetz vor. Im vergangenen Jahr wurde das Zentrum daher räumlich vergrößert, eine neue Röntgenanlage sorgt für effektivere Untersuchungen. "Die Anlage ist so strahlenarm, dass wir auch Kinder röntgen können. Das war früher nur im Notfall möglich", erklärt Glaser-Paschke.

Die Modernisierung des TBC-Zentrums kostete rund eine Million Euro und war dringend notwenig. Doch noch immer fehlt es an Personal. Der Senat habe den Bedarf zwar anerkannt, bislang sei das aber "nur eine Absichtserklärung", sagt Gesundheitsstadträtin Sandra Obermeier (parteilos für Die Linke).


Karolina Wrobel / KW
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