Seniorenvertretung setzt sich für die Belange älterer Menschen ein

Jürgen Steinbrück denkt mit und setzt auf Mitbestimmung für Senioren. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Seit sieben Jahren engagiert sich Jürgen Steinbrück (74) für die Senioren in Lichtenberg. Der Vorstandsvorsitzende der Seniorenvertretung wünscht sich mehr Engagement für Ältere. Mit ihm sprach die Berliner-Woche-Reporterin Karolina Wrobel.

Die Seniorenvertretung ist das Sprachrohr der älteren Menschen im Bezirk. Finden Sie denn in der lokalen Politik auch Gehör?

Jürgen Steinbrück: Wir haben mit der Seniorenvertretung einen guten Stand in der Bezirkspolitik; nicht nur, weil unsere Arbeit gesetzlich verankert ist und wir in den Ausschüssen der Bezirksverordnetenversammlung mitwirken können. Als im Frühjahr diesen Jahres die Übertragung der acht kommunal geführten Seniorenfreizeitstätten diskutiert wurde, waren wir die ersten, die reagiert haben. Und wir haben uns Gehör verschafft. Der Bezirk wird in diesem Bereich zwar Stellen einsparen müssen - die Entscheidung trifft das Land Berlin. Allerdings soll das allmählich passieren. Keine der Einrichtungen soll schließen.

Der Bezirk wird die Seniorenfreizeitstätten an freie Träger übertragen. Birgt das nicht die Gefahr, dass die Programme der Einrichtungen gekürzt werden?

Jürgen Steinbrück: Ein Konzept für die Übertragung der Freizeitstätten an freie Träger gibt es noch nicht. Wir stehen aber ständig in Kontakt mit dem Sozialamt. Ich wünschte mir vom Konzept, dass die jetzige Vielfalt im Programm der Einrichtungen erhalten bleibt. Ältere Menschen finden hier nicht nur Kultur, sondern auch soziale Beratung und Weiterbildung. Jedes Jahr kommen mehr als 100.000 Besucher in diese Einrichtungen in Lichtenberg.

Warum ist der Erhalt der Seniorenfreizeitstätten so wichtig?

Jürgen Steinbrück: Hier wird der Zugang zu Bildung und Beratung für jeden offen gehalten. Ältere Menschen wollen fit im Kopf bleiben und auch rauskommen. In den Seniorenfreizeitstätten ist viel los. Auch in Lichtenberg gibt es Altersarmut und Vereinsamung von Senioren, selbst wenn das Problem noch nicht drängend ist. Viele können es sich einfach nicht leisten, irgendwohin zu fahren. Eigentlich sollten die Seniorenfreizeitstätten sogar erweitert werden: zu Stätten, in denen sich mehrere Generationen begegnen.

Ende November lud die Seniorenvertretung Bürger zum Gedankenaustausch über Seniorenpolitik ein. Was bewegt die Senioren aktuell in Lichtenberg?

Jürgen Steinbrück: Wir luden ein unter dem Motto "Nachdenken über ..." und mehr als 30 Menschen nahmen an unserer zweiten Gesprächsrunde teil. Wir redeten über die Mobilität der Senioren, über ihre Wohnsituation und die Bildungsmöglichkeiten im Bezirk. Natürlich machen sich ältere Menschen Sorgen, ob etwa die Sozialtickets des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg in Zukunft erhalten bleiben. Wir fragten auch in der Konferenz nach, wie Bildung für Senioren im Bezirk gesichert und entwickelt werden kann. Die Idee zu einem Kulturforum im Jahr 2014 entstand, in dem ein Gesamtüberblick über die Angebote gegeben werden soll. Zur Kultur gehört ja nicht nur der Theaterbesuch, sondern auch das Stricken.

Ein weiteres Ergebnis der Konferenz war, dass mehr Mitstreiter für Seniorenbelange gesucht werden.

Jürgen Steinbrück: Wir sollten uns alltäglich in die politischen Entscheidungen einbringen, es gibt viele Möglichkeiten. Viele Bürger lassen die Gelegenheit zum Einspruch verstreichen, etwa bei der Einsicht von Bebauungsplänen. Auch in der Einwohnerfragestunde der Bezirksverordnetenversammlung können Senioren sich ans Bezirksamt und die Lokalpolitiker wenden. Ich finde, wir alle sollten nicht nur mitdenken, sondern auch mitreden.


Karolina Wrobel / KW
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