Wo Mädchen unter sich sind: Das Sportzentrum "Pia Olymp" feiert sein 20-jähriges Bestehen

Regina Schmidt und Karsten Dietrich sind die Initiatoren des Mädchensportzentrums. (Foto: Wrobel)
Berlin: Mädchensportzentrum Pia Olymp |

Neu-Hohenschönhausen. Hier können sich Mädchen geben, wie sie sind: sportlich, ausgelassen oder kämpferisch. Mittlerweile gibt es die Sporteinrichtung "Pia Olymp" seit 20 Jahren.

Kaum jemand weiß noch, dass die Pionierarbeit in Sachen Mädchenfreizeitsport Anfang der 1990er-Jahre in Hohenschönhausen ihren Anfang nahm. "Bundesweit waren wir das erste Mädchensportzentrum", sagt Karsten Dietrich, der ehrenamtliche Geschäftsführer des Vereins "Kietz für Kids – Freizeitsport". Zusammen mit Regina Schmidt erinnert er sich noch genau an den Beginn einer großen Idee: Die bestand darin, dass Mädchen in einer sensiblen Lebensphase ihren eigenen Raum zur Entfaltung bekommen sollten.

Mädchensport in der Freizeit war zur damaligen Zeit außerhalb eines Sportvereines jedoch kaum üblich. "In den Jugendclubs dominierten die Jungs", erinnert sich Dietrich. Anfang der 1990er-Jahre wurde deshalb ein Bundesmodellprojekt für Mädchensport ins Leben gerufen, das schon bald vom Verein "Kietz für Kids – Freizeitsport" übernommen wurde. "Wir halten das Modell bis heute am Leben", sagt sich Regina Schmidt.

Sie war damals Gleichstellungsbeauftrage in Hohenschönhausen und weiß, gegen welche Widerstände das Projekt kämpfen musste. 1996 zog das Mädchenfreizeitsportprojekt an die Ribnitzer Straße 25 in der Nähe des S-Bahnhofs Wartenberg, wo es bis heute blieb. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums luden Ende Dezember die Vereinsmitglieder, Mitstreiter aus der Bürgerschaft, der Politik und Verwaltung und nicht zuletzt die Mädchen zum Feiern ein. Denn nur dank der Durchsetzungsfähigkeit dieser Mitstreiter war es möglich, aus der leerstehenden einstigen Kantine ein echtes Mädchensportzentrum zu machen, dessen Herzstück ein großer Tanz- und ein Turnsaal sind.

Die Anfänge ab 1996 waren steinig. "Seit unserem Einzug zählen wir neun Einbrüche und zwei Brandanschläge", sagt Karsten Dietrich und ergänzt: "Da ging es um richtigen Geschlechterkampf. Die Jungs aus dem Umfeld wollten diesen geschützten Raum nicht akzeptieren", vermutet er.

Dass die Einrichtung sich bis heute regen Zulaufs erfreut, hängt auch von den motivierten Mitarbeiterinnen ab. Sie organisieren Tanzkurse, mit denen die Mädchen sogar an Wettbewerben teilnehmen, aber auch Sport im Freien wie etwa Fußballspiele oder die "Skaternight".

"Pia Olymp"wird mit 100 000 Euro vom Land Berlin finanziert, und auch der Bezirk schießt jährlich rund 25 000 Euro dazu. Trotzdem reicht die Finanzierung nur für das Nötigste. Und dennoch hat sich das "Mädchensportzentrum" etabliert, was vor allem am Anspruch liegt: "Hier ist jedes Mädchen willkommen – auch wenn es woanders nicht ins übliche Maß passt", sagt Karsten Dietrich. KW
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